Tourismuspolitik
Tourismuspolitischer Ausblick 2026
Das vergangene Jahr war aus tourismuspolitischer Sicht ereignisreich und auch das kommende Jahr verspricht, spannend zu werden. Wir werfen einen Blick voraus und beleuchten für Sie die zentralen Themen und Geschäfte der nächsten zwölf Monate. Zusammen mit seinen Partnern setzt sich der STV auch im 2026 für die Interessen des Tourismussektors ein, um praxisnahe Lösungen zu fördern und die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Tourismus in einem sich wandelnden politischen und wirtschaftlichen Umfeld zu sichern.
Touristische Förderinstrumente
Der Bundeshaushalt steht unter Druck. Der Bundesrat will mit dem Entlastungspaket 2027 seine Finanzen wieder ins Gleichgewicht bringen. Der STV unterstützt das Ziel, kritisiert jedoch die überproportionalen Kürzungen, die der bundesrätliche Entwurf im Tourismus vorsieht. Der Ständerat hat im Rahmen der Wintersession 2025 bei Innotour und der Neuen Regionalpolitik wichtige Anpassungen vorgenommen und sich für weniger weit gehende Kürzungen ausgesprochen. Die Höhe der Kürzung bei Schweiz Tourismus bleibt aus Sicht des STV jedoch sachlich und finanzpolitisch nicht gerechtfertigt. Der STV fordert das Parlament deshalb zu weiteren Nachbesserungen in der Frühjahrssession 2026 auf. Der STV setzt sich zudem im Rahmen der Standortförderung 2028–2031 für die Finanzierung der touristischen Förderinstrumente ein. Der Tourismus ist ein zentrales Element einer ganzheitlichen Standortförderungspolitik und kann sich nur weiterentwickeln, wenn die Finanzierung langfristig gesichert ist.
Europapolitik
Mit den Bilateralen III, die in diesem Jahr im Parlament diskutiert werden, steht die Schweiz vor einer europapolitischen Wegscheide. Für den Tourismus sind insbesondere das Freizügigkeitsabkommen, Schengen sowie die Verkehrsabkommen zentral. Diese Abkommen sichern den Zugang zu Arbeitskräften und die internationale Anbindung der Schweiz. Der STV unterstützt das Vertragspaket, da es stabile Beziehungen zur EU, Rechtssicherheit und Marktzugang gewährleistet. Bei einigen innenpolitischen Umsetzungsmassnahmen empfiehlt der STV jedoch noch nachzubessern. Auch das neu verhandelte Stromabkommen mit der EU wird begrüsst, da es zur Versorgungssicherheit beiträgt. Eine Ablehnung der Bilateralen III oder auch die Annahme der Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» im Juni 2026 hätte aus Sicht des STV gravierende negative Folgen für Wirtschaft und Tourismus.
Mehrwertsteuer
Das Parlament hat sich dafür ausgesprochen, dass der Sondersatzsatz bei der Mehrwertsteuer für Beherbergungsleistungen verlängert werden soll. Der Sondersatz kompensiert strukturelle Nachteile des standortgebundenen Exportsektors Tourismus. Zudem schafft er gleich lange Spiesse, da auch praktisch alle EU-Länder reduzierte Sätze für Beherbergungsleistungen kennen. Der STV begrüsst die Verlängerung, fordert jedoch eine dauerhafte Verankerung. Nur diese bietet den Betrieben die notwendige Planungssicherheit für langfristige Investitionen. Zudem steht eine weitere Änderung des Bundesgesetzes über die Mehrwertsteuer (MWSTG) an, die unter anderem die Besteuerung von Leistungskombinationen («Packages») vereinfachen soll. Dies indem die bisherige 70/30-Regel durch eine 55/45-Regel ersetzt wird. Künftig sollen bei touristischen Packages alle im Inland erbrachten Leistungen zum Sondersatz von 3,8 Prozent abgerechnet werden, sofern die dem Sondersatz unterliegenden Übernachtungen mindestens 55 Prozent des Gesamtentgelts der Inlandleistungen ausmachen. Dies reduziert Kosten und administrativen Aufwand für die Betriebe.
Grossveranstaltungen
Die WEURO und der ESC haben die hohe Bedeutung von Grossveranstaltungen für die touristische Wertschöpfung und die internationale Sichtbarkeit aufgezeigt. Gleichzeitig geraten solche Events zunehmend unter politischen und finanziellen Druck. Eine künftige Landesausstellung könnte starke touristische Impulse auslösen, ist jedoch ohne frühzeitige und substanzielle Bundesfinanzierung nicht realisierbar. Die derzeitige Zurückhaltung des Bundes schafft Planungsunsicherheit. Zudem beteiligt sich der STV an der Vernehmlassung zum Grundsatz- und Planungsbeschluss zu den Olympischen und Paralympischen Spielen 2038. Dieser wird nach der Vernehmlassung im Parlament behandelt. Der STV ist überzeugt, dass dieser aus touristischer Warte positive Impulse setzen kann.
Weitere Themen im Fokus
Neben den oben genannten Schwerpunkten wird der STV im Jahr 2026 eine Reihe weiterer politischer Dossiers eng begleiten. Dazu zählen die Revision der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit (SGH), die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten, das Thema Roaming-Insel sowie das Verhältnis von Gesamtarbeitsverträgen zu Mindestlöhnen, um nur einige zu nennen.
Revision Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit (SGH)
Die SGH ist eines der touristischen Förderinstrumente und vergibt zinsgünstige Darlehen an Beherbergungsbetriebe in festgelegten Fremdenverkehrsgebieten und Badekurorten. Primär gefördert werden hierbei Betriebe, die gute Ertragsaussichten ausweisen. Im Jahr 2026 steht eine umfassende Überarbeitung der gesetzlichen Grundlagen der SGH an. Der STV begrüsst die Modernisierung der SGH ausdrücklich und unterstützt eine Erweiterung des Förderperimeters auf Städte und ein Impulsprogramm für energetische Sanierungen.
Liberalisierung Ladenöffnungszeiten
Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerates schlägt eine Änderung des Arbeitsgesetzes vor, die es den Kantonen ermöglicht, neu bis zu zwölf Sonntage im Jahr zu bezeichnen, an denen in Verkaufsgeschäften ohne Bewilligung Personal beschäftigt werden darf. Aus touristischer Sicht stärkt die Massnahme den stationären Handel, erhöht die Attraktivität von Städten und fördert zusätzliche Wertschöpfung. Der STV unterstützt die Vorlage, da sie die Wettbewerbsfähigkeit erhöht und Arbeitsplätze in der Schweiz sichert.
Roaming-Insel
Während in der EU die Roaming-Gebühren 2017 abgeschafft wurden, bleibt die Schweiz ausgeschlossen und wird zur «Roaming-Insel». Dies verteuert Ferien in der Schweiz zusätzlich und schwächt die Wettbewerbsfähigkeit. Unsere Gäste erwarten, dass der Kauf von ÖV-Tickets, die Buchung von Hotelzimmern oder Tischreservationen ohne Hürden getätigt werden können. Aus diesen Gründen empfiehlt der STV die Annahme der Motion 25.3969 Roaming-Abkommen mit der EU gegen die Roaming-Insel Schweiz.
Verhältnis von Gesamtarbeitsverträgen und Mindestlöhnen
Die Sozialpartnerschaft bildet einen wesentlichen Pfeiler des schweizerischen Arbeitsmarktes und trägt massgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg bei. Der STV ist der Ansicht, dass allgemeinverbindlich erklärte Gesamtarbeitsverträge (ave GAV) Vorrang vor kantonalen Mindestlöhnen haben sollen, weil sie die bewährte Sozialpartnerschaft stärken und Rechtssicherheit schaffen. Kantonale Mindestlöhne führen hingegen zunehmend zu Normenkonflikten, schwächen ave GAV und untergraben das austarierte Gesamtpaket dieser Verträge. Eine Vorlage, die das Verhältnis von ave GAV und kantonalen Mindestlöhnen klären soll, befindet sich aktuell im Parlament.
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Samuel Huber
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