Nachhaltigkeit
Modul 5 – Gästebeteiligung stärken: Wie mache ich Gäste zu Mitgestaltenden?
Die Toolbox zur Tourismusakzeptanz bietet touristischen Akteuren praxisnahe Unterstützung im Umgang mit Herausforderungen an der Schnittstelle zwischen Bevölkerung, Gästen und Tourismus. Sie sensibilisiert unterschiedliche Anspruchsgruppen für den Tourismus, stärkt die Tourismusakzeptanz langfristig und zeigt auf, wie ein konstruktiver Dialog geführt werden kann. In mehreren Modulen stellt die Toolbox Methoden, Kommunikationshilfen, Good-Practice-Beispiele und Umsetzungstools zur Verfügung. Die Inhalte sind anwendungsorientiert, flexibel einsetzbar und eignen sich sowohl zur Prävention als auch für den Umgang mit bestehenden Spannungen oder Konflikten.
Dieses Modul stellt die Gäste als Mitgestaltende in den Fokus.
Gäste sind weit mehr als Konsument:innen – sie prägen das touristische Erlebnis aktiv mit. Ob respektvoller Umgang, Neugier oder Wertschätzung: Ihr Verhalten entscheidet mit darüber, wie harmonisch das Zusammenspiel von Einheimischen und Besuchenden gelingt. Oft ist es nicht die Zahl der Gäste, die belastend wirkt, sondern fehlender Respekt, das Übersehen von Regeln oder kulturelle Missverständnisse.
Dieses Modul zeigt, wie Gäste nicht als Problem, sondern als Ressource wahrgenommen werden können und wie sie durch clevere Sensibilisierung zu Mitgestalter:innen einer Destination werden. Mit einfachen, inspirierenden Ansätzen lassen sich potenzielle Konflikte in wertvolle Begegnungen verwandeln. Dabei gilt: Es braucht nicht immer grosse Kampagnen oder umfassende Konzepte. Oft entfalten bereits kleine, gut platzierte Massnahmen eine spürbare Wirkung und können ein wichtiger erster Schritt sein.
Damit solche Ansätze jedoch wirken, müssen sie Gäste tatsächlich erreichen – flächendeckend, sichtbar und an den Orten, an denen Orientierung und Verhalten geprägt werden. Das heisst: Rezeptionen, Tourist Infos, Attraktionen, ÖV-Knotenpunkte, Gastgeber:innen und Leistungsträger müssen mitgedacht werden. Nur wenn alle Touchpoints konsequent genutzt werden, entsteht eine nachhaltige, breit getragene Wirkung.
Zudem gilt: Solche Konzepte müssen nicht allein entwickelt werden. Destinationen können auf bestehende Erfahrungen zurückgreifen, sei es durch Austausch mit Orten, die bereits erfolgreiche Sensibilisierungsmassnahmen umgesetzt haben, oder durch die Unterstützung der Nachhaltigkeitsexpert:innen des STV-Netzwerks.

Eine erfolgreiche und nachhaltige touristische Entwicklung kann nur im Einklang mit der Lebensqualität der Bevölkerung sowie im Einklang mit den regionalen Werten funktionieren. Für unsere Tourismusstrategie 2025+ haben wir deshalb einen breit abgestützten Strategieprozess durchlaufen, bei dem zahlreiche Akteur:innen aus der Region beteiligt waren, um eine gemeinsame Vision zu entwickeln.
Patrick Bauer, Leiter Destinationsentwicklung & Nachhaltigkeit | Gstaad Saanenland Tourismus
Good-Practice-Beispiele
Drei Beispiele machen Mut:
Im Wallis bekennen sich Gäste zu nachhaltigem Verhalten.
In Genf begleiten die «Tourist Angels» die Gäste herzlich, zeigen Wege und vermitteln lokale Gepflogenheiten.
In Kopenhagen werden Besuchende selbst Teil der Lösung, indem sie Natur pflegen, Abfall sammeln oder nachhaltige Entscheidungen treffen – und dafür Anerkennung erhalten.
Zusatzbeispiel: Ab 2026 lädt die vereinte Schweizer Tourismusbranche unter dem Lead von Schweiz Tourismus mit einer nationalen Kampagne Reisende dazu ein, das Land respektvoll und mit offenen Augen zu erleben.
Das Ziel: Mit diesen Initiativen sollen Gäste auf Schweizer Gepflogenheiten, die Werte und Kultur der Bevölkerung, die Wertschätzung der Natur und das achtsame Reisen sensibilisiert werden. Stets positiv, willkommen heissend und einladend – für ein harmonisches Miteinander zwischen Einheimischen und Gästen.
Walliser Alpenmanifest – Gäste als aktive Mitgestaltende der Bergwelt
Das Walliser Alpenmanifest lädt Gäste dazu ein, die Bergwelt bewusst und respektvoll zu erleben. Besucher:innen werden über die Kampagne motiviert, sich aktiv für Natur, Kultur und Lebensqualität in den Bergregionen einzusetzen – sei es durch nachhaltige Mobilität, sorgsamen Umgang mit der Umwelt oder durch die Unterstützung regionaler Betriebe.
Kern der Kampagne ist das offizielle Bekenntnis der Gäste, das ihre Teilnahme sichtbar macht: Wer sich zum Alpenmanifest bekennt, wird auf der digitalen Plattform erwähnt und signalisiert damit öffentlich sein Bekenntnis zu verantwortungsvollem Verhalten. Dieses sichtbare Engagement erzeugt sowohl Verbindlichkeit als auch Stolz, motiviert zu Achtsamkeit und vermittelt gleichzeitig ein positives Signal an die Gemeinschaft der Besucher:innen und Einheimischen.
Durch diese Art der Partizipation wird gezeigt, dass jede:r Einzelne die Bergwelt aktiv mitgestalten kann – ein Ansatz, der Tourismus nicht nur konsumorientiert, sondern partizipativ, bewusst und nachhaltig macht.
Programme wie das Walliser Alpenmanifest setzen auf die Eigenverantwortung und aktive Beteiligung der Gäste:
Bewusstsein schaffen: Gäste erleben, wie ihr Verhalten die Natur, die Dorfgemeinschaften und die Infrastruktur beeinflusst.
Nachhaltigkeit fördern: Praktische Tipps zu Mobilität, Abfallentsorgung und naturnahem Verhalten werden sichtbar und direkt erlebbar.
Gemeinschaft stärken: Gäste fühlen sich als Teil der Region, wodurch gegenseitige Wertschätzung zwischen Einheimischen und Besuchenden entsteht.
Tourismus neu denken: Gäste werden Mitgestalter:innen – nicht nur Konsument:innen.
Das Ergebnis ist ein harmonisches Zusammenspiel von Tourismus und Einheimischen sowie Gesellschaft und Umwelt, das Konflikte reduziert und die Aufenthaltsqualität für alle erhöht.
Das Konzept des Alpenmanifests lässt sich auf jede Destination übertragen und wird bereits heute in verschiedensten Destinationen, die dem Verband AlpNet angehören, umgesetzt. Das Konzept eignet sich für alle, die Natur- oder aber Kulturräume schützen und Gäste für achtsames Verhalten sensibilisieren möchten. Die Grundidee ist universell: Positiv, spielerisch und informativ Gäste in die Verantwortung nehmen, statt ihnen Vorschriften zu machen.
Kleinere Gemeinden, städtische Naherholungsgebiete oder alpine Regionen können das Prinzip adaptieren – durch digitale Tools, analoge Infostände oder Schilder, QR-Codes für Tipps oder durch spielerische Elemente oder Belohnungen. Ziel ist es, den Gästen die Wirkung ihres Verhaltens bewusst zu machen, Wertschätzung zu erzeugen und ein gemeinsames Verantwortungsgefühl zu stärken.
Valais/Wallis Promotion
Avenue de Tourbillon 11, CH-1951 Sitten
+41 27 327 36 00
info@valais.ch
Gäste spielerisch und positiv für respektvolles, nachhaltiges Verhalten sensibilisieren. Eigenverantwortliches Handeln in Berg- und Naturregionen fördern, gleichzeitig Wertschätzung und Verbundenheit zur Region stärken.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Download
Schritt | Was zu tun ist | Tipps aus dem Wallis |
1. Zielverhalten definieren | Festlegen, welches Verhalten bei Gästen gefördert werden soll (z. B. Abfall vermeiden, naturverträgliche Wege nutzen, lokale Angebote respektvoll nutzen). | Klare und verständliche Ziele wählen – jedoch Ziele mit Wirkung. Kurze, prägnante Botschaften wirken besser als lange Regeln. |
2. Partnerschaften aufbauen | Lokale Betriebe, Guides oder Vereine einbinden. | Kooperationen schaffen Glaubwürdigkeit, verstärken Sichtbarkeit, ermöglichen konkrete Erfahrungen. Beispiele: Bergbahnen als Partner für Incentives, Gasthäuser als Stationen von Hinweisschildern. |
3. Kommunikation planen | Gäste über digitale Kanäle, Infostellen, Broschüren oder bei Events informieren. | Positiv und spielerisch kommunizieren, z. B. Social-Media-Posts mit Quiz, Fotowettbewerben, interaktiven Karten, Plakate mit Illustrationen oder kurzen Videos vor Ort. |
4. Beteiligung ermöglichen | Aktionen oder Challenges anbieten, die Gäste aktiv einbeziehen. | Gamification-Elemente einbauen: digitale Checklisten, Fotomöglichkeiten, kleine Belohnungen wie Pins, Gutscheine oder Bonuspunkte bei Partnerbetrieben. Offline-Optionen für Familien und Kinder anbieten. |
5. Umsetzung tracken | Teilnahme erfassen, Feedback sammeln, Wirkung beobachten. | Einfache Erfassung: Anzahl teilnehmender Gäste, Abgabe von Checklisten, Social-Media-Interaktionen. Feedback aktiv einholen über QR-Codes, kurze Umfragen oder Interviews vor Ort. |
6. Ergebnisse sichtbar machen | Erfolge publik machen (Social Media, Websites, vor Ort). | Highlights teilen: z. B. Anzahl teilnehmender Gäste, erzielte Aktionen (z. B. Müll gesammelt, Pfade gereinigt), Testimonials oder Fotos von Teilnehmenden. Sichtbarkeit motiviert weitere Gäste. |
Erfolgsfaktoren bei der Anwendung:
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Genf: Lokale Tourguides als Sensibilisierungs-Ambassadors
Mit den «Geneva Tourist Angels» hat Genf ein Modell geschaffen, um Gästen auf besonders herzliche und authentische Weise zu begegnen. Genf zeigt, wie Gästebetreuung gleichzeitig zu Tourismussensibilisierung werden kann. Die Angels sind passionierte Stadtliebhaber:innen, die sich in der Stadt bewegen, ansprechbar sind und Gästen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Sie beantworten aber nicht nur praktische Fragen oder geben Insider-Tipps, sondern vermitteln auch die lokalen Gepflogenheiten.
So entsteht mehr als reine Information: Die Tourist Angels schaffen Begegnungen auf Augenhöhe. Gäste erleben ihre Destination authentisch durch die Augen von Menschen, die dort leben und entwickeln dadurch Verständnis für lokale Regeln, Kultur und Eigenheiten. Gleichzeitig fühlen sich auch die Bewohner:innen entlastet, weil typische Spannungsfelder (z. B. Orientierung, Verhalten im öffentlichen Raum, nachhaltige Mobilität) direkt und freundlich adressiert werden.
Programme wie die «Geneva Tourist Angels» nutzen das, was Gäste am meisten schätzen: persönliche Begegnungen. Statt Hinweisschilder oder Broschüren sind es Einheimische, die freundlich Orientierung bieten, Tipps geben und gleichzeitig für ein respektvolles Miteinander sensibilisieren.
Der Mehrwert im Überblick:
Verständnis fördern: Durch persönliche Gespräche können Verhaltenstipps (z. B. Mülltrennung, Lautstärke, respektvoller Umgang mit öffentlichen Räumen) sympathisch und direkt vermittelt werden.
Konflikte vorbeugen: Viele Spannungen zwischen Gästen und Einheimischen entstehen durch Unwissenheit – Gästebotschafter:innen beugen dem auf herzliche Weise vor.
Gastfreundschaft stärken: Die Destination präsentiert sich nahbar, menschlich und hilfsbereit – ein Imagegewinn, der weit über den einzelnen Kontakt hinauswirkt.
Die Idee der Gästebotschafter:innen ist nicht an eine grosse Stadt wie Genf gebunden – sie lässt sich auf unterschiedlichste Destinationen übertragen. Überall, wo Gäste Orientierung brauchen und gleichzeitig Nähe zur Bevölkerung gesucht wird, können solche Formate Mehrwert stiften.
Das Besondere: Die Umsetzung ist niederschwellig und flexibel. Lokale Vereine, Studierende oder Pensionierte können als Botschafter:innen geschult werden. Sie schaffen eine Willkommenskultur, die einerseits echte Begegnungen ermöglicht und andererseits wichtige Botschaften zu respektvollem Verhalten transportiert.
So entsteht ein doppelter Nutzen: Gäste fühlen sich besser aufgehoben und informiert – und die Bevölkerung erlebt, dass Tourismus nicht nur nimmt, sondern auch respektvoll und sensibel begleitet wird. Genau diese Balance macht das Konzept so wertvoll für die Schweizer Tourismuslandschaft.
Mit lokalen Botschafter:innen Nähe schaffen, Gäste willkommen heissen und gleichzeitig für respektvolles Verhalten sensibilisieren. Persönliche Begegnungen vermitteln Authentizität, steigern die Aufenthaltsqualität und fördern das gegenseitige Verständnis zwischen Bevölkerung und Besucher:innen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Download
Schritt | Was zu tun ist | Tipps aus Genf |
1. Botschafter:innen auswählen | Auswahl von lokal verwurzelten Personen mit Offenheit und Kommunikationsfreude sowie Begeisterung für ihre Region – z. B. Studierende, Pensionierte oder Vereinsmitglieder. | Vielfalt an Altersgruppen, sprachlichen und kulturellen Hintergründen sorgt für Authentizität und Reichweite. Ein offener Aufruf z.B. über Gemeindeplattformen oder lokale Medien kann Aufmerksamkeit schaffen. |
2. Schulung und Vorbereitung | Kurze, praxisnahe Trainings zu Inhalten: Stadt- oder Dorfgeschichte, kulturelle Besonderheiten, aber auch Verhaltensregeln und aktuelle Themen wie Nachhaltigkeit. | Keine Überfrachtung: lieber Kernbotschaften klar und einfach vermitteln. Raum für Persönlichkeit und individuelle Anekdoten lassen. |
3. Präsenz vor Ort | Botschafter:innen sichtbar machen – z.B. mit farbigen Westen, fixen Treffpunkten oder mobilen Einsätzen an Bahnhöfen, Plätzen, Wanderwegen, aber auch, indem über die Botschafter:innen in lokalen und digitalen Medien berichtet wird und Bewusstsein für das Angebot geschaffen wird. | Auffallen und gleichzeitig niederschwellig wirken: freundlich, zugänglich, unkompliziert. |
4. Dialog und Sensibilisierung | Gäste nicht nur informieren, sondern im Gespräch für lokale Kultur, Regeln und Besonderheiten sensibilisieren – vom Abfalltrennen bis zu Traditionen. | Positiv formulieren: «So machen wir es hier» statt «Das darf man nicht». |
5. Feedback und Austausch organisieren | Gästebotschafter:innen regelmässig treffen, um Erfahrungen zu teilen, Beobachtungen auszutauschen und Verbesserungsideen zu sammeln. | Gästebotschafter:innen als Sensoren: Was beschäftigt die Besucher:innen? Welche Fragen tauchen immer wieder auf? Fragen systematisch dokumentieren, damit DMO und Gemeinde daraus lernen können. |
6. Wirkung sichtbar machen &und Wertschätzung zeigen | Ergebnisse und Erlebnisse kommunizieren – über lokale Medien, Social Media oder bei Dorffesten. | Dankes-Events, Porträts oder kleine Belohnungen (z. B. regionale Produkte, Gutscheine) würdigen das Engagement und fördern Kontinuität. |
Erfolgsfaktoren:
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Kopenhagen: CopenPay – Nachhaltigkeit und Respekt als Währung
Mit «CopenPay» lädt Kopenhagen seine Gäste ein, Teil der Stadtgemeinschaft zu werden – und belohnt klimafreundliches wie respektvolles Verhalten. Besucher:innen können Vorteile erhalten, wenn sie nicht nur das Fahrrad statt des Autos wählen oder an einem Urban-Gardening-Projekt mithelfen, sondern auch wenn sie aktiv zum sauberen Stadtbild beitragen oder in Kontakt mit Einheimischen rücksichtsvoll handeln.
So werden nachhaltige und achtsame Handlungen zu einer Art Währung: vom kostenlosen Museumsbesuch über gratis Kanaltouren bis hin zu kleinen kulinarischen Erlebnissen. Das Programm zeigt, dass Tourismus nicht nur Konsum, sondern auch Mitgestaltung ist – und stärkt so das Miteinander zwischen Gästen und Bevölkerung.
«CopenPay» zeigt, wie Gäste spielerisch für ein Verhalten sensibilisiert werden können, das sowohl der Umwelt als auch den Menschen vor Ort zugutekommt. Indem nachhaltige und respektvolle Handlungen belohnt werden, entstehen gleich mehrere Mehrwerte:
Bewusstsein schaffen: Gäste erleben unmittelbar, dass ihr Verhalten Einfluss auf die Lebensqualität einer Stadt hat.
Positive Begegnungen fördern: Rücksicht und Wertschätzung gegenüber Einheimischen werden sichtbar gemacht – das stärkt das Miteinander.
Tourismus neu denken: Gäste werden nicht nur Konsument:innen, sondern aktive Mitgestalter:innen des urbanen Lebens.
So macht «CopenPay» den Tourismus und das Erleben der Stadt zu einem gemeinsamen Projekt – mit Vorteilen für alle Beteiligten.
Das Konzept von CopenPay lässt sich gut auf Schweizer Destinationen übertragen, denn die Grundidee ist universell: Gäste werden durch kleine Belohnungen dazu angeregt, nachhaltig und respektvoll zu handeln. Statt mit moralischem Zeigefinger zu arbeiten, setzt man auf spielerische Motivation und gemeinsames Erleben. Auch kleinere Städte oder ländliche Regionen können das Prinzip adaptieren – angepasst an vorhandene Ressourcen, Gästezahlen und lokale Infrastruktur.
So könnten beispielsweise in Bergregionen Gäste, die mit dem ÖV anreisen oder ihren Abfall korrekt entsorgen, kostenlose regionale Produkte probieren oder in Städten jene, die auf das Velo steigen oder an einer lokalen Kulturführung teilnehmen, Rabatte oder Eintritte erhalten. Es geht nicht um komplexe Systeme, sondern um einfach umsetzbare, sichtbare und spielerische Anreize, die Freude machen und das Verhalten stärken – auch bei kleineren Betrieben oder weniger frequentierten Orten. Das Besondere: Solche Programme stärken nicht nur das Umweltbewusstsein, sondern auch die gegenseitige Rücksichtnahme und das Verständnis zwischen Gästen und Bevölkerung. Damit wird Tourismus als positive, bereichernde Erfahrung erlebbar – für Einheimische wie für Reisende.
Wonderful Copenhagen
Nørregade 7B, DK-1165 København K
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Gäste spielerisch und positiv für nachhaltiges und respektvolles Verhalten sensibilisieren – durch kleine Belohnungen, die klimafreundliche Entscheidungen und Rücksichtnahme gegenüber der Bevölkerung sichtbar machen und wertschätzen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Download
Schritt | Was zu tun ist | Tipps aus Kopenhagen |
1. Zielverhalten definieren | Festlegen, welches Verhalten bei Gästen gefördert werden soll (z. B. respektvolle Nutzung öffentlicher Räume, Teilnahme an lokalen Angeboten, nachhaltige Fortbewegung). Hierzu auf geeignete Daten oder Beteiligungsformate zurückgreifen. | Klar kommunizieren, welche Verhaltensweisen belohnt werden – einfach, sichtbar und nachvollziehbar. Kurze, verständliche Regeln erleichtern die Umsetzung. |
2. Anreize gestalten | Kleine Belohnungen für gewünschtes Verhalten entwickeln (z. B. Rabatte, kleine Geschenke, exklusive Angebote). | Niedrigschwellig und leicht zugänglich: Kleine Aufmerksamkeiten motivieren besser als grosse Hürden, z.B. ein kleines Geschenk aus der Region oder Rabatte auf lokale Produkte. |
3. Partnerschaften aufbauen | Lokale Betriebe, Veranstalter:innen oder Guides einbeziehen, die die Belohnungen ausgeben oder das Verhalten sichtbar machen. | Kooperationen verstärken Glaubwürdigkeit und Sichtbarkeit der Aktion. |
4. Kommunikation planen | Gäste über digitale Kanäle, Infostellen, Broschüren oder persönliche Ansprache informieren. | Positiv, spielerisch und einladend kommunizieren: Social Media Stories, Infotafeln auf Wanderwegen, QR-Codes mit Tipps, freundliche Hinweise durch Guides. Keine Verbote oder Mahnungen. |
5. Umsetzung tracken | Teilnahme erfassen, Feedback von Gästen und Partner:innen einholen, Wirkung beobachten. | Nutzungshäufigkeit und Rückmeldungen regelmässig auswerten, um Anpassungen vorzunehmen. Einfach Erfassungen genügen: Zählungen, Checklisten, Social Media Interaktionen oder kurze Rückmeldungen vor Ort. |
6. Ergebnisse sichtbar machen | Erfolge öffentlich präsentieren, z. B. durch Social Media, lokale Presse oder auf Infotafeln. | Sichtbarkeit motiviert weitere Gäste, steigert das Bewusstsein und die Akzeptanz in der Bevölkerung. Gerne Highlights teilen: Anzahl Teilnehmende, gesammelte Aktionen, Fotos von Gästen oder Partnerbetrieben. |
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Zusatzbeispiel: Sensibilisierungskampagne von Schweiz Tourismus
Ab April 2026 lanciert Schweiz Tourismus zusammen mit der Regional Tourism Alliance (ehemals RDK) eine nationale, mehrjährige Initiative, die explizit Gäste anspricht und sensibilisiert. Gemeinsam mit der touristischen Branche soll eine Bewegung für ein achtsames Miteinander zwischen Gästen und der Schweizer Bevölkerung angestossen und etabliert werden. Schweiz Tourismus fungiert als Enablerin und übernimmt in dieser Rolle die Konzeption und Produktion der Kommunikationsmittel. Diese werden den Regionen, Destinationen, sowie weiteren touristischen Akteuren für die Distribution zur Verfügung gestellt. Mit positivem Storytelling und konkreten Botschaften, lädt die Kampagne Reisende ein, die Schweiz nicht nur zu besuchen, sondern aktiv mit Achtsamkeit und Rücksicht zu erleben.
Die Botschaften werden in Form von diversen Kommunikationsmitteln an relevanten Kontaktpunkten auf der Reise der Gäste durch die Schweiz platziert. Beispielsweise am Flughafen, in den öffentlichen Verkehrsmitteln, in Destinationen, in der Touristeninformation, in Hotels, Naturparks und bei Sehenswürdigkeiten. So entsteht ein nahtloses Erlebnis, das frühzeitig Orientierung gibt und gleichzeitig Lust darauf macht, die Schweizer Kultur aktiv zu respektieren und zu schützen.
Das Ziel: Brücken bauen zwischen Gästen und Einheimischen, Missverständnisse vermeiden und ein Klima der gegenseitigen Wertschätzung schaffen.
Mit der Kampagne geht Schweiz Tourismus einen Schritt über klassische Werbekampagnen hinaus: Die Initiative verbindet Gastfreundschaft mit subtiler Aufklärung. Der Mehrwert zeigt sich auf mehreren Ebenen:
Missverständnisse vermeiden: Klare, charmant vermittelte Hinweise nehmen kulturelle Stolperfallen vorweg – etwa bei der Interaktion mit Einheimischen oder beim Wandern in den Bergen.
Akzeptanz fördern: Gäste fühlen sich willkommen statt belehrt. Gleichzeitig spüren Einheimische, dass ihre Werte respektiert und ernst genommen werden.
Gemeinschaftsgefühl schaffen: Gäste und Bevölkerung tragen gemeinsam dazu bei, Natur, Kultur und Lebensqualität zu bewahren.
Die Kampagne zeigt, wie Sensibilisierung modern, sympathisch und breit verankert umgesetzt werden kann – ohne erhobenen Zeigefinger. Genau dieser Ansatz macht sie für den schweizweiten Einsatz interessant und für eine Adaption anderer Destinationen und touristischer Leistungsträger spannend. Destinationen sind herzlichen eingeladen, die zu Verfügung gestellten Materialien in ihren eigenen Kanälen zu nutzen und profitieren somit doppelt von der Sensibilisierungskampagne. Der Vorteil: die Kommunikationsmittel können individuell angepasst und so eigene Botschaften, die für die jeweiligen Stakeholder relevant sind, vermittelt werden. Das Besondere liegt in der Verknüpfung von Information und Emotion: Gäste werden nicht belehrt, sondern inspiriert, Teil der lokalen Kultur und Werte zu werden. Dieses Prinzip lässt sich auf unterschiedlichste Regionen und Märkte übertragen – von kleinen Destinationen mit sensiblen Naturräumen bis hin zu Städten mit komplexem Miteinander. Für die Tourismusbranche ist das ein starkes Signal: Sensibilisierung ist keine Randaufgabe, sondern ein integraler Bestandteil einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Destination.
Ein zentrales Ziel der Sensibilisierungskampagne von Schweiz Tourismus ist es, dass sie nicht isoliert wirkt, sondern als gemeinsame Bewegung der gesamten Schweizer Tourismusbranche wahrgenommen wird. Schweiz Tourismus stellt dafür ein umfassendes Set an Kommunikationsmitteln zur Verfügung, das von Regionen, Destinationen und weiteren Stakeholdern genutzt werden kann.
Diese Materialien können entweder direkt übernommen oder mit einfachen Anpassungen auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten werden. Damit entsteht eine kontinuierliche, wiedererkennbare Botschaft, die Gäste an den unterschiedlichsten Touchpoints in derselben Tonalität und im selben Look & Feel begleitet. Der Wiedererkennungswert sorgt dafür, dass die Sensibilisierungsbotschaften konsistent transportiert werden – unabhängig davon, ob Gäste am Flughafen, in einem Bergdorf oder im Zug auf sie treffen.
Um die Nutzung und Anpassung besonders einfach zu machen, wird ein KI-gestütztes Tool bereitgestellt. Damit können Partner:innen eigene Varianten der Illustrationen und Botschaften erstellen, ohne die Grundidee oder die visuelle Klammer der Kampagne zu verlieren. Auf diese Weise bleibt die gemeinsame Linie gewahrt, gleichzeitig aber wird Raum für Individualität und spezifische Akzente geschaffen.
Gemeinsam mit Schweiz Tourismus wird also eine starke, nationale Bewegung geschaffen, die Gäste inspiriert, respektvoll und achtsam mit der Schweiz umzugehen. Zu einem späteren Zeitpunkt wird hierfür eine zentrale Asset-Box zur Verfügung stehen, die Materialien und Anleitungen bündelt und an dieser Stelle verlinkt wird.
Tipps
- bookmarks
Klare und positive Botschaften kommunizieren
Anstatt Verbote oder Regeln aufzulisten, sollten Tipps und Hinweise einladend und motivierend formuliert werden. Gäste erfahren so, «wie es hier funktioniert», und werden zu respektvollem Verhalten inspiriert.
- pin_drop
Mehrere Kontaktpunkte nutzen
Botschaften an unterschiedlichen Orten platzieren – vom Flughafen über Hotels bis zu Wanderwegen – sorgt dafür, dass Gäste mehrfach und konsistent angesprochen werden.
- waving_hand
Persönliche Begegnungen ermöglichen
Niedrigschwellige Interaktionen durch lokale Botschafter:innen oder Gastgeber:innen machen die Destination erlebbar, schaffen Authentizität und vermitteln wichtige Informationen direkt und freundlich.
- insert_link
Kooperationen lokal und branchenübergreifend aufbauen
Hotels, Museen, Guides, Gemeinden und Destinationen einbinden, um Angebote glaubwürdig, attraktiv und flächendeckend zu gestalten und die Botschaften gemeinsam zu tragen.
- handshake
Gäste als aktive Mitgestaltende einbeziehen
Programme wie Manifeste oder interaktive Kampagnen ermöglichen den Gästen, aktiv am Tourismusgeschehen teilzunehmen. So entsteht Nähe, Verständnis für lokale Gepflogenheiten und ein harmonisches Miteinander.
- color_lens
Erlebnisse emotional und spielerisch gestalten
Gamification, interaktive Aufgaben oder kleine Challenges schaffen Spass, fördern Engagement und steigern die Bindung der Gäste an die Region.
- local_florist
Nachhaltiges und respektvolles Verhalten belohnen
Anreize wie Rabatte, kleine Geschenke oder exklusive Angebote für umweltfreundliches und rücksichtsvolles Verhalten motivieren Gäste spielerisch, Verantwortung zu übernehmen und fördern gleichzeitig positive Begegnungen mit Einheimischen.
- repeat
Kontinuität und Wiedererkennung sicherstellen
Regelmässige Aktionen, wiedererkennbare Kommunikation und konsistente Botschaften fördern Akzeptanz und verankern Sensibilisierung dauerhaft in der Gästebetreuung.
Stolperfallen
- block
«Wir zeigen nur Regeln, keine Geschichten.»
Gäste nur mit Vorschriften oder Mahnungen konfrontieren, ohne Kontext oder Erlebnisse zu bieten, schafft Distanz statt Engagement.
- volume_up
«Alles digital – keine persönliche Ansprache.»
Ausschliesslich auf digitale Kommunikation zu setzen, ohne persönliche Begegnungspunkte, wirkt unnahbar und verliert an Authentizität und Motivation.
- feed
«Nur theoretisch informieren – kein Mitmachen ermöglichen.»
Wenn Gäste nur lesen oder hören, was sie tun sollten, aber keine aktiven Möglichkeiten zur Umsetzung erhalten, bleibt das Wissen abstrakt und wirkt wenig motivierend.
- attractions
«Nur auf grosse Attraktionen setzen.»
Kleinere Betriebe, lokale Initiativen oder Mikroerlebnisse vernachlässigen, mindert die Identifikation und Akzeptanz in der Bevölkerung.
- https
«Ergebnisse intern behalten.»
Feedback von Gästen oder Learnings der Aktionen nicht sichtbar machen, schwächt Vertrauen. Transparenz zeigt Wirkung und fördert Nachahmung.
Übersicht Module
- collections_bookmark
Modul 1 – Tourismussensibilisierung fördern: Wie starte ich mit einer klaren Strategie?
- volunteer_activism
Modul 2 – Übersicht gewinnen: Wie identifiziere ich Herausforderungen meiner Destination?
- handshake
Modul 3 – Stakeholdermanagement gestalten: Wie binde ich die wichtigsten Ansprechgruppen aktiv ein?
- interests
Modul 4 – Tourismusnutzen steigern: Wie erhöhe ich den Mehrwert für alle Ansprechgruppen?
- search
Modul 6 – Kommunikation meistern: Wie gehe ich sicher mit klassischen Medien, Social Media und Politik um?
- visibility
Ausblick
Zum Modul
Die Inhalte der Toolbox werden fortlaufend bis Frühling 2026 ausgearbeitet und veröffentlicht.

Aktuelles
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