Innotour-Projekt zur Nachhaltigkeit in den Destinationen

Text: Yvonne Schuler, Produktmanagerin Natur und Nachhaltigkeit, Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair AG

Herausforderungen von heute und morgen richtig angehen

Die Tourismusorganisationen müssen sich mehr mit Nachhaltigkeit beschäftigen. Langfristige Entwicklungsfragen, die den Ausgleich zwischen Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft anstreben, kamen bisher oft zu kurz im saisonalen und kurzlebigen Tourismusgeschäft. Dabei ist explizit die ganze Tourismusbranche von einer intakten natürlichen, kulturellen und sozialen Grundlage abhängig. Wie fliessen nun diese Grundlagen der Nachhaltigkeit in konkrete Strategien von Destinationsmanagement-Organisationen (DMOs) ein? Wie kann man die wichtigsten Inhalte den Leistungspartnern vermitteln? Wie kann Nachhaltigkeit im Alltag mit konkreten Massnahmen umgesetzt werden? Damit diese und weitere Fragestellungen praxisnah im Perimeter von DMOs angewendet werden können, haben die Forschungsgruppe Tourismus und Nachhaltige Entwicklung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und die Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair AG (TESSVM), das Projekt «Angewandte Nachhaltigkeit in Schweizer Tourismusdestinationen NSTD» lanciert.

Projektziele

Das nationale Projekt entwickelt ein Handbuch für Schweizer DMOs mit praktischen Tools, Indikatoren und Handlungsempfehlungen für eine langfristig erfolgreiche Tourismusentwicklung. Dies geschieht primär durch die Adaption des deutschen Standardwerks «Nachhaltigkeit im Deutschlandtourismus». Aufbauend auf dieses Handbuch wird eine anwendungsorientierte Weiterbildung zu Nachhaltigkeit in Tourismusdestinationen geplant. Ausserdem wird abgeklärt, mit welchen Anreizen Tourismusdestinationen motiviert werden können, sich nachhaltig weiterzuentwickeln. Hierfür kommen beispielsweise offizielle Ratings oder Auszeichnungen in Frage. Darüber hinaus untersucht das Projekt, wie eine Kompetenzstelle «Nachhaltigkeit im Tourismus» die notwendige Schnittstelle zwischen den verschiedenen Akteuren schaffen und die Weiterentwicklung der Destinationen fördern und vereinfachen kann.

Die Schwierigkeit allen Anliegen gerecht zu werden

Für die Bearbeitung der vier Teilprojekte konnte die Projektleitung namhafte Partner für das Vorhaben gewinnen: Schaffhauserland Tourismus, sanu future learning ag, Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden, Schweizer Tourismus-Verband STV und Schweiz Tourismus. Als Begleitgruppe stehen die Bundesämter für Umwelt (BAFU), für Kultur (BAK) und für Raumentwicklung (ARE) sowie das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) dem Projekt zur Seite. Die breite Unterstützung bringt aber auch eine Vielzahl von unterschiedlichen Bedürfnissen zusammen. Im Gespräch mit den verschiedenen Anpruchsgruppen wird versucht, einen gemeinsamen Weg für die nachhaltige Entwicklung des Schweizer Tourismus zu definieren.

Zwischenstand nach rund zwei Jahren Projektdauer

Seit Projektstart wurde intensiv an der Adaption des Handbuches gearbeitet, welches zurzeit als Entwurf vorliegt und von den involvierten Partnern geprüft wird. Das Konzept der Weiterbildung steht. In Planung ist die Testdurchführung mit den beiden Pilot-DMOs Schaffhauserland Tourismus und der TESSVM. Anhand der Abklärungen im dritten Teilprojekt stellte sich heraus, dass ein Rating einer Auszeichnung vorzuziehen ist. Die Projektgruppe erarbeitet momentan entsprechende Handlungsempfehlungen. Die Abklärungen zur Kompetenzstelle stehen bislang am Anfang. Das Projekt wird noch bis Mitte Jahr 2021 dauern. Als erstes Resultat wird das Handbuch Ende 2020 erwartet.