Nachhaltigkeit
Modul 6 - Kommunikation meistern: Wie informiere ich proaktiv und reagiere souverän?
Die Toolbox zur Tourismusakzeptanz bietet touristischen Akteuren praxisnahe Unterstützung im Umgang mit Herausforderungen an der Schnittstelle zwischen Bevölkerung, Gästen und Tourismus. Sie sensibilisiert unterschiedliche Anspruchsgruppen für den Tourismus, stärkt die Tourismusakzeptanz langfristig und zeigt auf, wie ein konstruktiver Dialog geführt werden kann. In mehreren Modulen stellt die Toolbox Methoden, Kommunikationshilfen, Good-Practice-Beispiele und Umsetzungstools zur Verfügung. Die Inhalte sind anwendungsorientiert, flexibel einsetzbar und eignen sich sowohl zur Prävention als auch für den Umgang mit bestehenden Spannungen oder Konflikten.
Dieses Modul widmet sich der Kommunikation.
Tourismus berührt zentrale Fragen – und löst entsprechend unterschiedliche Emotionen aus. Oft entsteht Spannung nicht durch objektive Zahlen, sondern durch subjektive Wahrnehmung: das Gefühl, nicht informiert, nicht gehört oder nicht einbezogen zu werden. Kommunikation entscheidet also mit, wie Tourismus wahrgenommen wird – als Bereicherung oder als Belastung. Kommunikation schafft Transparenz und Verständnis, vermittelt Wertschätzung, steuert Erwartungen und hilft, Missverständnisse oder Konflikte frühzeitig zu entschärfen. Gerade in Zeiten von schnellen Meinungsbildungsprozessen, emotionalen Debatten und vielfältigen Anspruchsgruppen gewinnt sie an Bedeutung.
Ob in klassischen Medien, auf Social Media oder im direkten Austausch mit Gemeinden und politischen Gremien: Entscheidend ist nicht nur, was kommuniziert wird, sondern wie. Positive, transparente und dialogorientierte Kommunikation stärkt das Vertrauen der Bevölkerung, erhöht die Akzeptanz touristischer Entwicklungen und macht sichtbar, welchen Nutzen der Tourismus für alle Beteiligten stiftet.
Dieses Modul zeigt, wie Kommunikation als strategisches Werkzeug eingesetzt werden kann – proaktiv, um Orientierung zu schaffen und Tourismus als gemeinschaftliches Gut zu vermitteln, und reaktiv, um in herausfordernden Situationen ruhig, empathisch und faktenbasiert zu handeln. Das Modul unterstützt Destinationen, Behörden und Kommunikationsverantwortliche dabei, den Dialog mit der lokalen Bevölkerung sowie allen relevanten lokalen Stakeholdern konstruktiv zu gestalten.
Grundlagen und Kommunikationsprinzipien
Erfolgreiche Kommunikation zur Steigerung der Tourismusakzeptanz baut auf fünf zentralen Prinzipien auf. Sie bilden den Rahmen für alle Botschaften – unabhängig davon, ob es um Medienanfragen, Kommentare auf Social Media oder politische Diskussionen geht.
Ehrlich kommunizieren – auch dann, wenn Inhalte komplex oder unbequem sind.
Allen Anspruchsgruppen wird ein sachlich korrektes Bild aller Aktivitäten und Entscheidungen gegeben, um Transparenz zu schaffen.
Themengerecht kommunizieren – keine PR-Floskeln, sondern nachvollziehbare Informationen und klare Begründungen.
Einheitliche Sprache und Botschaften über alle Akteure hinweg: Tourismusorganisation, Gemeinde, Politik und Leistungsträger.
Widersprüche oder unterschiedliche Bewertungen untergraben Glaubwürdigkeit und Vertrauen.
Absprachen unter allen Akteuren vor heiklen Aussagen oder Publikationen schaffen Sicherheit.
Emotionen anerkennen, statt sie zu relativieren: «Wir verstehen die Sorge / Belastung / Unsicherheit.»
Menschlich formulieren, nicht technokratisch.
Betroffene ernst nehmen und zeigen, dass die Perspektive der Bevölkerung zählt.
Kommunikation nicht erst dann starten, wenn ein Problem entsteht – sondern kontinuierlich informieren. Frühzeitige und regelmässige Kommunikation ist ein zentrales Instrument, um die eigene Positionierung als Themenführer nachhaltig zu stärken.
Ein rhythmisches Kommunikationsmuster (z. B. monatliche Updates, saisonale Info-Formate, wiederkehrende Dialogangebote) stärkt Vertrauen, schaffen Verlässlichkeit und reduziert Überraschungseffekte.
Wer regelmässig kommuniziert, wirkt nahbar und berechenbar – zwei zentrale Faktoren für eine hohe Tourismusakzeptanz.
Kritik nicht als Angriff verstehen, sondern als Hinweis auf Klärungsbedarf.
Fragen beantworten, Perspektiven einholen, Gesprächsangebote machen.
Ziel ist Vertrauen – nicht Rechtfertigung.
Kommunikation dient nicht nur der Schaffung von Klarheit, sondern auch dazu, Stimmungen abzuholen und Beteiligung zu schaffen.
Früh reagieren, bevor sich Meinungen verfestigen oder Gerüchte entstehen.
Auch unvollständige Informationen dürfen kommuniziert werden: «Wir wissen noch nicht alles, aber wir informieren transparent über den aktuellen Stand.»
Schweigen kann als Unsicherheit oder Intransparenz wahrgenommen werden.
Kommunikation alleine schafft keine Umsetzung – sie begleitet sie. Nur kommunizieren, wenn echte Schritte oder Massnahmen dahinterstehen.
Erfolge, Fortschritte sowie «Quick Wins» aus anderen Modulen sichtbar machen, um Transparenz und Dynamik zu stärken.
Kommunikation als Verstärker, nicht als Selbstzweck. Jede Botschaft muss einen Mehrwert bieten – Orientierung, Entscheidung, Fortschritt oder Nutzen.

Unsere Kampagne «Gast & Geber» zeigt, wie wichtig eine kontinuierliche Kommunikation ist. Statt erst bei Konflikten zu reagieren, erklären wir unserer Bevölkerung den Tourismus proaktiv, verständlich und lokal verankert. So entstehen Orientierung und eine gemeinsame Haltung gegenüber dem Tourismus im Kanton Uri.
Tanja Müller, Marketing & Destinationsentwicklung | Uri Tourismus
Proaktive Kommunikation meistern
Proaktive Kommunikation ist die Basis einer starken Tourismusakzeptanz: Sie schafft Verständnis, baut Vertrauen auf und verhindert, dass kritische Themen erst im Konflikt sichtbar werden. Proaktive Kommunikation schafft frühzeitig Orientierung und setzt eigene Themen, bevor Spannungen oder Probleme entstehen. Reaktive Kommunikation dagegen antwortet auf bereits laufende Entwicklungen, Herausforderungen oder mediale Dynamiken.
Proaktive Kommunikation vermittelt, warum Tourismus wichtig ist, welche Mehrwerte für die Bevölkerung und Leistungsträger entstehen und wie sich die Destination für nachhaltige Lösungen einsetzt. Gleichzeitig schafft sie Nähe, indem Geschichten aus dem Alltag erzählt und Menschen sichtbar gemacht werden, die den Tourismus tragen.
Proaktive Kommunikation ist damit kein «Nice-to-have», sondern ein laufender Prozess, der:
kontinuierlich informiert, bevor Herausforderungen einsetzen
Zusammenhänge verständlich macht
Transparenz schafft und Erwartungen steuert
den Dialog mit relevanten Stakeholdern wie Bevölkerung, Politik und lokalen Medien stärkt
Sie bildet die Grundlage dafür, dass reaktive Kommunikation im Ernstfall mehr Gehör findet.
Proaktive Kommunikation verfolgt drei zentrale Ziele:
Tourismus erklären
Die Bedeutung des Tourismus für Region, Arbeitsplätze, Infrastruktur, Wirtschaftsstandort und Identität sichtbar machen – verständlich, faktenbasiert und alltagsnah.
Vertrauen schaffen
Nähe durch Dialog, Transparenz und regelmässige Information – damit relevante Stakeholder wie Bevölkerung, Politik und Medien Entwicklungen einordnen können und sich ernst genommen fühlen.
Spannungen frühzeitig adressieren
Themen wie Wohnraum, Mobilität, Saisonalität oder Umweltbelastung offen ansprechen, bevor sich Konflikte zuspitzen.
Ein gemeinsamer Kommunikationsrahmen stärkt die Glaubwürdigkeit:
Medienschaffende sollen aktiv unterstützt werden, die Öffentlichkeit faktenbasiert zu informieren. Sie erfahren regelmässig die Neuigkeiten, die jeweiligen Aktivitäten der Unternehmen und die touristischen Anliegen.
Alle beteiligten Institutionen – Tourismusorganisation, Gemeinden, Betriebe – treten möglichst als eine Stimme auf. Autorisierte Mediensprecher:innen koordinieren Botschaften und sichern Konsistenz über alle Kanäle hinweg.
Regelmässige Updates zu Entwicklungen, Aktivitäten und Anliegen der Destination schaffen Orientierung und Planbarkeit. Proaktive Kommunikation folgt dabei einem konstanten Rhythmus – nicht nur anlassbezogen. Wiederkehrende Updates (z.B. quartalsweise, monatliche Kolumnen, regelmässige Mediengespräche, regelmässiger Austausch mit politischen Vertreter:innen (Public Affairs, Lobbying) vermitteln Verlässlichkeit. Je vorhersehbarer die Kommunikation, desto vertrauenswürdiger erscheint die Destination.
Frühzeitige und regelmässige Kommunikation ist ein zentrales Instrument, um die eigene Positionierung als Themenführer nachhaltig zu stärken.
Offenheit und Transparenz schaffen Vertrauen: Informationen werden ehrlich, nachvollziehbar und ohne Schönfärbung vermittelt – auch wenn sie unvollständig oder herausfordernd sind. «Was wir wissen» und «was wir (noch) nicht wissen» wird klar kommuniziert, um Gerüchten und Unsicherheiten vorzubeugen.
Diese Grundsätze verhindern Widersprüche, erleichtern den Umgang mit Medien und stärken die Sichtbarkeit der gemeinsamen Strategie.
Proaktive Kommunikation konzentriert sich auf wenige, konsistente Kernthemen. Sie zeigen, wie Tourismus wirkt – im Alltag, für die Wirtschaft und für die Zukunft. Damit diese Themen wirken, sollten sie wiederkehrend, konsistent und gut verankert sein – in Medienarbeit, auf Social Media, Gemeindeplattformen und persönlichen Gesprächen.
Thema | Ziele der Kommunikation | Beispielshafte Inhalte |
Wirtschaftlicher Nutzen | Tourismus als regionaler Motor | Arbeitsplätze, Lehrstellen, lokale KMU, Wertschöpfungsketten, Steuereinnahmen |
Ökologische Nachhaltigkeit | Verantwortung und Fortschritt sichtbar machen | Mobilitätslösungen, Energieeffizienz, Biodiversität, Schutzmassnahmen. Legacy-Projekte |
Lebensqualität | Tourismus als Teil des Alltags vermitteln | Saubere Wege, intakte Infrastruktur, ÖV-Angebot, vielseitige Angebote, lebendige Dörfer |
Identität | Stolz und Zugehörigkeit stärken | Geschichten lokaler Gastgeber:innen, Traditionen, Handwerk |
Zukunft | Perspektiven für junge Generationen zeigen | Ausbildungswege, Innovationen, neue Berufsbilder |
Eine starke proaktive Kommunikation nutzt unterschiedliche Kanäle – von klassischen Medien über Social Media bis zu direkter Begegnung. Entscheidend ist der Mix aus Reichweite und Nähe, digitalen und analogen Kommunikationsformaten. Dabei sollten Informationskanäle gut aufeinander abgestimmt werden. Im Folgenden werden Beispielformate für verschiedene Medienkanäle aufgeführt.
Lokale Medien
Serie «Wir alle sind Tourismus»: Porträts von Menschen aus der Region – idealerweise aus Branchen, die nicht offensichtlich touristisch geprägt sind, um indirekte Effekte sichtbar zu machen.
Rubrik «Tourismus erklärt sich»: Ein verständliches FAQ-Format zu häufigen oder heiklen Fragen (z. B. Zweitwohnungen, Lenkung, Mobilität).
Kolumne «Reden wir über Tourismus»: Monatlicher Impuls von Tourismusexpert:innen, Gemeinde oder lokalen Stimmen; in Presse, Lokalradio oder TV.
Gemeinde- und Verbandsplattformen
Sonderseiten in Amtsblättern, Dorfzeitungen, Gemeinde-Apps oder Newsletter
QR-Codes zu Kurzvideos, Mikro-Interviews oder Erklärtexten, die Komplexität reduzieren und Zusammenhänge anschaulich machen
Direkte Begegnungen
Bürger:innen-Roundtables, thematische Gespräche mit Politik und touristischen Leistungsträgern
Offene Austauschformate im Rahmen von Gemeindeforen, Dorfmärkten oder Events
Einbindung von Vereinen, Schulen oder Betrieben für niedrigschwellige Dialogräume
Digitale Kanäle
Social-Media-Reels mit kurzen Fakten («Wusstest du, dass …?»)
WhatsApp-Broadcasts / Push-Nachrichten zur schnellen Information
(Mikro-)Podcasts aus der Destination
Grindelwald Tourismus hat mit «Das Dorfgespräch» ein monatliches Podcast-Format geschaffen, das Menschen aus dem Dorf, lokale Persönlichkeiten sowie spannende Gäste aus Sport, Musik, Politik und Gesellschaft zu Wort kommen lässt. Die Gespräche finden dort statt, wo Grindelwald lebt – in Hotels, auf Alpen oder sogar in der Gondelbahn.
Durch diesen regelmässigen Einblick in Geschichten, Herausforderungen und Perspektiven des Dorfes entsteht ein Format, das weit mehr ist als Unterhaltung: Es macht touristische Themen greifbar, schafft Nähe und stärkt die Beziehung zwischen Bevölkerung und Tourismusorganisation.
Der Podcast zeigt, dass transparente, frühzeitige und erzählerische Kommunikation Vertrauen schafft, bevor kritische Diskussionen entstehen. Statt nur zu reagieren, lädt Grindelwald Tourismus aktiv zum Dialog ein – offen, menschlich und kontinuierlich.
Grindelwald Tourismus
Bruno Hauswirth | Resort Director
bruno.hauswirth@grindelwald.swiss
+41 33 854 12 12
Mit der Initiative «Wir sind alle Gast & Geber» der beiden Urner Tourismusorganisationen Uri und Andermatt- Urserntal wurde eine Sensibilisierungskampagne lanciert, die Tourismus als gemeinsamen Alltag aller sichtbar macht. Im Zentrum steht die Botschaft, dass Einheimische nicht nur Gastgeber:innen für Besuchende sind, sondern auch selbst als Gäste Teil des touristischen Systems.
Über Plakate im öffentlichen Raum, Veranstaltungen, Infoflyer, einem Erklärvideo, Schulmaterialien, Aktionen für Jugendliche sowie digitale Kanäle wird Tourismus dort thematisiert, wo er lokal erlebt wird. Die Kampagne schafft Orientierung, indem sie Zusammenhänge zwischen Tourismus, lokaler Wertschöpfung und Lebensqualität emotional ansprechend erklärt und positiv besetzt.
«Wir sind alle Gast & Geber» macht durch die proaktive Kommunikation auch ohne akuten Anlass deutlich, dass kontinuierliche Sensibilisierung die Basis für eine langfristige Tourismusakzeptanz legt. Somit stärkt die Kampagne das gemeinsame Verständnis für Tourismus und fördert Identifikation und Stolz der Urnerinnen und Urner.
Uri Tourismus
Tanja Müller | Marketing & Destinationsentwicklung
tanja.mueller@uri.swiss
+41 41 874 74 97
Andermatt-Urserntal Tourismus
Gabriela Bissig | Kommunikation & Projekte
gabriela.bissig@andermatt.swiss
+41 41 888 71 25
Proaktive Kommunikation sollte von Destinationen, Gemeinden und touristischen Betrieben systematisch umgesetzt werden – von der Koordination der Kommunikation und Themenfindung über die Planung bis zur konkreten Ausspielung. Sie sorgt dafür, dass Kommunikation planbar, konsistent und dialogorientiert erfolgt und die Tourismusakzeptanz langfristig gestärkt wird.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Herunterladen
Schritt | Was zu tun ist |
1. Themenplanung Relevante Themen frühzeitig erkennen und vorausschauend planen, statt nur zu reagieren. |
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2. Story-Finding Tourismus greifbar machen durch echte Geschichten von Menschen – keine Institutionen im Zentrum. |
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3. Partnerschaften Regionale Medien, Stimmen auf Social Media und politische Akteure als Verbündete gewinnen, bevor kritische Themen entstehen. |
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4. Faktenchecks Glaubwürdigkeit erhöhen durch verlässliche Daten und transparente Einordnung. |
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5. Timing Narrative setzen, bevor Medien oder Bevölkerung eine eigene Deutung entwickeln. |
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6. Ausspielen und Kanalmix Die richtige Mischung aus Medien, Gemeindeplattformen, Social Media und direkten Begegnungen. |
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Reaktive Kommunikation meistern
Reaktive Kommunikation beschreibt alle kommunikativen Massnahmen, die als Antwort auf aktuelle Ereignisse, Kritik, Herausforderungen oder Konflikte erfolgen. Im Gegensatz zur proaktiven Kommunikation ist sie anlassbezogen, zeitkritisch und erfolgt häufig unter öffentlichem Druck.
Reaktive Kommunikation beginnt nicht erst dann, wenn Medien berichten – sondern bereits dann, wenn erste Signale aus der Bevölkerung, von Gästen oder in sozialen Netzwerken auftauchen.
Krisenkommunikation ist dabei ein Spezialfall der reaktiven Kommunikation. Während reaktive Kommunikation oft lokal und thematisch begrenzt bleibt, zeichnet sich eine Krise durch:
hohe Unsicherheit,
grosse emotionale Betroffenheit,
und erheblichen Handlungsdruck aus.
Krisenkommunikation folgt eigenen, prozessgesteuerten Abläufen und ist in Notfall- und Krisenkonzepten geregelt. Sie betrifft ausserordentliche Ereignisse mit Sicherheits- oder Relevanzbezug und geht damit über die Fragestellungen der Tourismusakzeptanz hinaus. Dieses Modul konzentriert sich bewusst auf Kommunikation im Normalbetrieb – proaktiv und reaktiv, aber nicht in Krisenlagen. Unterstützung für Krisenkommunikation findet sich bei Schweiz Tourismus.
Analog zur proaktiven Kommunikation braucht auch die reaktive Kommunikation klare Ziele:
Schaden begrenzen
Unklare oder verspätete Kommunikation erhöht das Risiko für Vertrauensverlust, mediale Eskalation und falsche Narrative. Gute reaktive Kommunikation verhindert also, dass ein lokales Anliegen zu einer ausgewachsenen Krise wird.
Orientierung schaffen
Reaktive Kommunikation beantwortet die wichtigsten Fragen sofort: «Was ist passiert? Wen betrifft es? Was tun wir jetzt?»
Vertrauen schützen
Durch Empathie, Klarheit und Transparenz soll vermittelt werden: Die Organisation handelt verantwortungsvoll und lösungsorientiert.
Beziehung stärken
Auch Kritik ist eine Form von Beziehung. Reaktive Kommunikation zeigt, dass die Destination zuhört und Verantwortung übernimmt.
Ergänzend zu den allgemeinen Kommunikationsprinzipien gelten für reaktive Situationen folgende Grundsätze:
Schnelligkeit vor Perfektion
Besser ein erstes kurzes Statement als ein Schweigen, das Spekulationen fördert.
Fakten vor Meinungen
Nur kommunizieren, was sicher bestätigt ist. Keine Annahmen, keine Schuldzuweisungen.
Empathie und Verständnis
Zuerst die Emotionen adressieren (Belastung, Sorge, Ärger) – dann informieren.
Kohärente Kommunikation («One Voice Policy»)
Alle Beteiligten, also Gemeinde, Tourismus, Politik und weitere Partnerorganisationen sprechen abgestimmt und konsistent.
Transparenz über Wissensstände
Klar kommunizieren:
Was wissen wir?
Was wissen wir noch nicht?
Was tun wir als Nächstes?
Dialogbereitschaft statt Abwehrhaltung
Signalisieren: «Wir nehmen die Kritik ernst und bleiben im Gespräch.»
Diese beispielhaften, nicht abschliessenden Themen und Szenarien sind nicht zwingend Krisen – aber sie können sich zu Krisen entwickeln, wenn nicht rechtzeitig reagiert wird.
Overtourism & Verkehrsüberlastung – sowie weitere darin enthaltene Themen (Kapazitätsgrenzen, Anstürme, Warteschlangen, etc.)
Nutzungskonflikte (z. B. Biker vs. Wanderer, Lärm, Naturschutz)
Konfliktpotenzial bei Bauprojekten (z. B. Infrastrukturausbau in sensiblen Gebieten)
Wohnungsknappheit / steigende Kosten / Zweitwohnungsproblematik
Lokale Proteste, Petitionen, Bürgerinitiativen
Reaktive Kommunikation ist besonders zeitkritisch und zielgruppenorientiert. Deshalb braucht es eine klare Auswahl von Kanälen, die schnell, glaubwürdig und zuverlässig funktionieren.
Die wichtigsten Kanäle lassen sich in drei Ebenen gliedern:
Schnelle Erstkommunikation Diese Kanäle eignen sich, um schnell Orientierung zu geben – kurz, sachlich, faktenbasiert. | Website / Newsroom
Social Media (Facebook & Instagram, LinkedIn)
Interne Kanäle (z.B. Newsletter an Leistungsträger:innen, WhatsApp-Gruppen, Partner-Mailings)
|
Vertiefte Kommunikation Diese Kanäle eignen sich, sobald Fakten klarer sind.
| Medienmitteilungen
Pressegespräche / Interviews
Newsletter an Bevölkerung / Leistungsträger:innen
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Dialogorientierte Kanäle Diese Kanäle helfen, Spannungen abzubauen und die Beziehung zu Anspruchsgruppen zu stärken.
| Roundtables / Informationsveranstaltungen
Sprechstunden (Gemeinde + Tourismus)
Lokale Medienformate (z. B. Interviews, Hintergrundgespräche, Lokalradio)
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Kanäle, die man vorsichtig einsetzen sollte | Kommentarspalten in Social Media
Private Social-Media-Profile von Mitarbeitenden
Werbung / Marketingkommunikation während herausfordernden Situationen
|
Auf Social Media werden immer wieder bekannte und auch bei Einheimischen beliebte Destinationen, aber auch weniger bekannte «Hidden Gems» auf verschiedensten Kanälen und durch diverse Content Creators gezeigt, um Emotionen zu wecken und Lust auf Entdeckung zu machen. Solche Posts lösen oft eine Mischung aus Begeisterung und kritischen Nachfragen aus: Sollten diese Orte wirklich geteilt werden? Besteht die Gefahr, dass dadurch neue «Hotspots» entstehen?
Anstatt solche Diskussionen auf sozialen Medien zu ignorieren, sucht Schweiz Tourismus den Dialog. ST erklärte transparent, warum eine breite Streuung touristischer Aufmerksamkeit sinnvoll ist, wie Marketing auch zur Lenkung von Besucherströmen beitragen kann und wie Verantwortung beim Teilen von touristischen Inhalten umgesetzt wird. So wurde aus potenziell negativer Kritik eine Chance, die eigene Haltung offen, transparent und dialogorientiert zu verdeutlichen.
Destinationen können durch eine ruhige, transparente Kommunikation zeigen, dass sie Kritik ernst nehmen, alle Meinungen einbeziehen, ohne sich defensiv zu rechtfertigen. Gleichzeitig lassen sich eigene Werte wie Nachhaltigkeit, Lenkung oder Willkommenskultur betonen.
Reaktive Kommunikation soll Orientierung schaffen, Schaden begrenzen und Vertrauen schützen, indem sie schnell, empathisch und faktenbasiert auf Kritik, Konflikte oder akute Ereignisse reagiert.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Download
Schritt | Was zu tun ist |
1. Issue-Management vorbereiten (laufend) Mögliche Konfliktfelder früh erkennen und intern Orientierung schaffen |
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2. Frühwarnsignale erkennen Erste Hinweise ernst nehmen und Situation einschätzen |
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3. Interne Aktivierung und Lageklärung (erste 60 Minuten) Informationssicherheit herstellen und Reaktionsfähigkeit aktivieren |
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4. Erststatements vorbereiten (Stunde 1-6) Schnell Orientierung geben, ohne voreilige Inhalte |
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5. Koordinierte Kommunikation und Stabilisierung (Tag 1-2) Ruhe schaffen, Informationsstand klären und Kanäle synchronisieren |
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6. Vertiefung und Dialog (ab Tag 2) Spannungen abbauen, Missverständnisse klären, Beziehung stärken |
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7. Nachbearbeitung und Lernen Organisation widerstandsfähiger machen und Vertrauen langfristig sichern |
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Tipps
- record_voice_over
Proaktiv und regelmässig informieren
Nicht erst kommunizieren, wenn Kritik entsteht. Auch positive Entwicklungen und Fortschritte aus anderen Modulen sichtbar machen. Frühzeitige und regelmässige Kommunikation stärkt die eigene Positionierung als Themenführerschaft.
- access_time
Schnell reagieren, ohne übereilt zu handeln
Zeitnah ein Statement platzieren, klar benennen, was bekannt ist – und was noch nicht. So können Spekulationen vermieden und die Kontrolle über das Narrativ behalten werden.
- handshake
Medien, Gemeinde und Betriebe abstimmen
One Voice Policy: Botschaften koordinieren, Zuständigkeiten klären, Widersprüche vermeiden. Konsistente Kommunikation wirkt glaubwürdiger und entschärft Konflikte früh.
- face_unlock
Menschen sichtbar machen statt Institutionen
Geschichten erzählen, Porträts zeigen, Alltagserlebnisse teilen. Authentische Beispiele aus der Region machen Tourismus nahbar und stärken Identifikation.
- diversity_1
Empathie zeigen – gerade in heiklen Situationen
Emotionen anerkennen, Sorgen ernst nehmen, Wertschätzung ausdrücken. Verständnis kommt vor Erklärung und schafft die Basis für Vertrauen.
- forum
Dialog ermöglichen statt nur senden
Fragen aufnehmen, Rückmeldungen zulassen, Räume für Austausch schaffen – online und offline. Kommunikation wirkt stärker, wenn Menschen spüren, dass ihre Perspektive zählt.
- emoji_objects
Komplexes einfach erklären
Tourismus verständlich machen: Zusammenhänge greifbar darstellen, Zahlen in Alltag übersetzen («Was bedeutet das für uns?») und Fachsprache vermeiden.
- desktop_windows
Die richtigen Kanäle kombinieren
Lokale Medien, Social Media, Gemeindekanäle und persönliche Begegnungen bewusst mischen. Reichweite + Nähe = maximale Wirkung der Botschaften.
Stolperfallen
- do_not_disturb_on
«Wir reden erst, wenn ein Problem auftaucht.»
Reine Reaktion wirkt defensiv. Ausbleibende Information führt zu Misstrauen, Gerüchten und unnötigem Konfliktpotenzial.
- search
«Alles sofort beantworten wollen.»
Spekulationen, Annahmen oder vorschnelle Erklärungen können Schaden anrichten. Erst kommunizieren, wenn Fakten gesichert sind – und transparent sagen, was noch offen ist.
- volume_up
«Jeder spricht für sich.»
Unabgestimmte Botschaften von Gemeinde, Destination und Betrieben erzeugen Chaos und untergraben Vertrauen.
- shield
«Kritik ignorieren oder wegdiskutieren.»
Emotionale Reaktionen kleinzureden oder abzuwerten verschärft Spannungen. Nicht Abwehr, sondern Dialog verhindert Eskalation.
- auto_awesome
«Wir polieren alles schön.»
Glanzkommunikation ohne reale Basis wirkt unglaubwürdig. Menschen erwarten Ehrlichkeit – auch bei Unsicherheiten und Herausforderungen. Zurückhaltung auch mit Marketing-Kommunikation / Marketing-Jargon.
Übersicht Module
- collections_bookmark
Modul 1 – Tourismussensibilisierung fördern: Wie starte ich mit einer klaren Strategie?
- volunteer_activism
Modul 2 – Übersicht gewinnen: Wie identifiziere ich Herausforderungen meiner Destination?
- handshake
Modul 3 – Stakeholdermanagement gestalten: Wie binde ich die wichtigsten Ansprechgruppen aktiv ein?
- interests
Modul 4 – Tourismusnutzen steigern: Wie erhöhe ich den Mehrwert für alle Ansprechgruppen?
- groups
Modul 5 – Gästebeteiligung stärken: Wie mache ich Gäste zu Mitgestaltenden?
- visibility
Ausblick
Die Inhalte der Toolbox werden fortlaufend bis Frühling 2026 ausgearbeitet und veröffentlicht.

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