Nachhaltigkeit

Modul 2 – Übersicht gewinnen: Wie identifiziere ich Herausforderungen meiner Destination?

Die Toolbox zur Tourismusakzeptanz bietet touristischen Akteuren praxisnahe Unterstützung im Umgang mit Herausforderungen an der Schnittstelle zwischen Bevölkerung, Gästen und Tourismus. Sie sensibilisiert unterschiedliche Anspruchsgruppen für den Tourismus, stärkt die Tourismusakzeptanz langfristig und zeigt auf, wie ein konstruktiver Dialog geführt werden kann. In mehreren Modulen stellt die Toolbox Methoden, Kommunikationshilfen, Good-Practice-Beispiele und Umsetzungstools zur Verfügung. Die Inhalte sind anwendungsorientiert, flexibel einsetzbar und eignen sich sowohl zur Prävention als auch für den Umgang mit bestehenden Spannungen oder Konflikten.

Dieses Modul stellt die individuellen Herausforderungen in den Fokus.

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Jede Destination hat ihre eigene Geschichte – und mit ihr ganz eigene Chancen, aber auch Herausforderungen. Was an einem Ort als bereichernd empfunden wird, kann an einem anderen zu Spannungen führen. Deshalb beginnt nachhaltige Tourismusentwicklung nicht mit schnellen Lösungen, sondern mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Wo drückt der Schuh wirklich? Welche Themen sind bloss ein leises Murmeln im Hintergrund – und welche drohen, zu lautstarken Konflikten zu werden?

Viele Orte teilen ähnliche Problemfelder wie steigende Mieten, Verkehrsdruck oder Belastungen für Natur und Umwelt. Doch die konkrete Ausprägung, die Wahrnehmung in der Bevölkerung und die emotionale Brisanz unterscheiden sich deutlich. Wer hier die Augen verschliesst oder sich auf Bauchgefühl verlässt, riskiert nicht nur, am eigentlichen Kern vorbeizuarbeiten, sondern auch das Vertrauen der Menschen zu verlieren.

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Wir befragen gezielt die Bevölkerung, um die Herausforderungen der Stadt Luzern als Tourismusdestination zu verstehen. Unsere periodisch durchgeführte Bevölkerungsumfrage zeigt differenziert, wo der Schuh drückt. So ersetzen wir Bauchgefühl durch Fakten und schaffen eine verlässliche Basis für eine gezielte Steuerung.
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Silvia Muff, Projektleiterin Tourismus | Stadt Luzern

Good-Practice-Beispiele

Modul 2 lädt dazu ein, die eigene Destination mit neugierigem, unvoreingenommenem Blick zu betrachten und zeigt, wie Pain Points frühzeitig identifiziert werden können. Wir stellen drei inspirierende Wege vor, wie andere Destinationen dieses Fundament für strategische Arbeit gelegt haben:

  • Berlin schafft mit einem Bürger:innenbeirat einen dauerhaften, gelebten Dialog, der Probleme sichtbar macht, bevor sie eskalieren.

  • Luzern erhebt regelmässig und systematisch, wie die Bevölkerung den Tourismus erlebt – bis ins Detail und auf Quartiersebene.

  • Die schweizweite Tourismusakzeptanz-Studie liefert nicht nur Zahlen, sondern wertvolle qualitative Einblicke, wo Akzeptanz bröckelt und warum.

Die Botschaft ist klar: Wer die wahren Pain Points kennt, kann gezielt und wirksam handeln – und zwar mit Massnahmen, die nicht nur Symptome bekämpfen, sondern Ursachen anpacken. Dieses Modul gibt Werkzeuge an die Hand, um genau diesen entscheidenden ersten Schritt zu gehen: zuhören, verstehen und daraus eine starke Basis für alle weiteren Entscheidungen formen.

Berlin: Kanal für kontinuierlichen Austausch

© visitBerlin / Reiner Topel

Die Stadt Berlin hat 2022 einen unabhängigen Bürger:innenbeirat Berlin‑Tourismus eingerichtet, bestehend aus 24 Bürger:innen aus allen Bezirken, die ehrenamtlich zur nachhaltigen Tourismusentwicklung als Brücke zwischen Verwaltung, Politik, Stadtgesellschaft und Tourismusakteur:innen beitragen wollen.

Der Beirat trifft sich bis zu viermal jährlich, organisiert öffentliche Bürger:innenforen in den Bezirken, sammelt und kommuniziert Informationen rund um den Tourismus in Berlin und arbeitet mit externen Partner:innen wie Forschung und Verwaltung zusammen.

Dadurch schafft Berlin einen Rahmen, wie die Anliegen der Bürger:innen konstant Gehör finden, um Pain Points früh zu erkennen, Konflikte zu verstehen und Impulse für stadtverträglichen Tourismus zu entwickeln.

Die Arbeit des Bürger:innenbeirats endete im November 2025, die Beteiligung wird ab 2026 in neuer Form fortgesetzt.

Der Bürger:innenbeirat ist eine aktive Beteiligungsplattform, die gesellschaftliche Sorgen, Themen und Potenziale früh sichtbar macht.

  • Durch regelmässige Gremiensitzungen und öffentliche Foren entsteht kontinuierlicher Dialog.

  • Er fungiert als Warnsystem, indem Konflikte wie Lärm, Dichtestress oder Clubkultur thematisiert werden, bevor sie eskalieren.

  • Die Einbindung vielfältiger Perspektiven stärkt die Glaubwürdigkeit und verankert die Steigerung der Tourismusakzeptanz in städtischen Entscheidungsprozessen.

Auch in Schweizer Destinationen gibt es Themen, die über den Tourismus hinauswirken: saisonale Lasten, Preisniveau, kulturelle Begegnungen, Verkehrsspitzen etc. Ein strukturiertes Bürgergremium bietet eine formal verankerte Plattform für kontinuierliche Wahrnehmung und Einbindung – ohne ein Ablenkungsmanöver zu sein. Das kann klein beginnen: bereits ein moderierter Kreis von 6 bis 10 Personen oder ein regelmässiger Austauschabend kann eine ähnliche Funktion erfüllen.

Damit wird nicht nur Wissen geschaffen, sondern auch Verantwortung geteilt – Tourismus wird zum Teil des kommunalen oder regionalen Lebens. Entscheidend ist nicht die Grösse des Formats, sondern die Verlässlichkeit und Offenheit des Austauschs.

visitBerlin
Philip Nebe, Projektmanager Akzeptanzerhaltung & Projekt HIER IN BERLIN
philip.nebe@visitberlin.de
+49 176 12647 534

Mehr zum Bürger:innenbeirat Berlin-Tourismus

Der Bevölkerung einen kontinuierlichen Raum geben, um Sorgen, Ängste und Wünsche zu teilen. Ein dauerhaftes, lokal verankertes Gremium, das Tourismusentwicklung aus Perspektive der Bevölkerung reflektiert, Themen identifiziert und Empfehlungen für lokale Lösungen formuliert.

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Schritt

Was zu tun ist

Tipps aus Berlin

1. Gremium zusammensetzen

5–10 Personen aus verschiedenen Altersgruppen und beruflichen Hintergründen auswählen. Idealerweise: Mischung aus Einheimischen, Gewerbe, Kultur, Jugend, Senioren, evtl. auch Zweitheimische.

Eine öffentliche Einladung über Gemeindeinfo, Social Media oder lokale Vereine kann helfen, neue Stimmen zu gewinnen. Wichtig: Auswahl transparent machen, um Vertrauen zu schaffen.

2. Regelmässige Treffen etablieren

3–4 Treffen pro Jahr plus öffentliche Foren oder Austausche im Rahmen bestehender Formate (z. B. Gemeindeversammlung, Ortsforum).

Frühzeitig Termine planen, klare Rollen definieren (Moderation, Protokoll, Rückmeldung an Touroperator). Eine neutrale Moderation (z. B. durch Nachhaltigkeitsexpert:innen des STV-Netzwerks) kann hilfreich sein.

3. Thematische Expert:innen integrieren

Zu Beginn jedes Jahres oder nach Bedarf 3–4 Schwerpunktthemen bestimmen und Expert:innen einbeziehen (z. B. Mobilität, Wohnqualität, Veranstaltungen, Umwelt, Verhalten von Gästen).

Themenvorschläge offen sammeln und gemeinsam priorisieren. Gute Erfahrung: 1–2 feste Themen (z. B. Verkehr) + 1 aktuelles Thema aus der Bevölkerung.

4. Ergebnisse und Empfehlungen dokumentieren

Erkenntnisse und Vorschläge festhalten – kurz und verständlich. Danach Rückmeldung an Bevölkerung und Entscheidungsträger:innen.

Sichtbarkeit schafft Wirkung: Kurze Zusammenfassungen im Gemeindeblatt, Website oder Social Media zeigen, dass Mitsprache ernst genommen wird.

Erfolgsfaktoren in der Umsetzung

  • Unabhängigkeit und Vielfalt: mehrere Stimmen aus unterschiedlichen Lebenswelten

  • Regelmässigkeit: Beteiligung über Jahre planen

  • Wirkung schaffen: Empfehlungen formulieren, Wirkungen sichtbar machen

  • Dialogformate kombinieren: Mischung aus Gremium, Infostand‑Touren und Foren

Luzern: Die Stadt fragt nach – und versteht die Stimmung im Detail

Switzerland Tourism / Jan Geerk

Die Stadt Luzern hat mit ihrer repräsentativen Bevölkerungsbefragung zum Tourismusbewusstsein einen professionellen und inkludierenden Weg gewählt, um die Tourismuswahrnehmung der Bevölkerung zu messen – und das nicht nur einmalig, sondern im Vergleich über mehrere Jahre.

Anhand eines systematisch entwickelten Fragebogens wurden über 1700 Stadtbewohner:innen zu Chancen, Sorgen und Wahrnehmungen rund um den Tourismus befragt: von Verkehrsproblemen und Wohnraummangel bis hin zu sozialer Akzeptanz verschiedener Gästegruppen wie beispielsweise Individualreisende oder Gruppenreisende.

Das Besondere: Die Befragung betrachtet die Stadt als Ganzes, aber auch auf Ebene von Quartieren, Herkunft der Gäste und Reiseform. Die Ergebnisse zeigen differenziert, wo der Schuh drückt, was geschätzt wird – und wo Steuerungsbedarf gesehen wird.

Luzern zeigt: Pain Points lassen sich nicht vermuten – sie müssen erhoben werden. Eine fundierte Bevölkerungsbefragung macht sichtbar, was oft nur im Hintergrund mitschwingt: Stimmungen, Wahrnehmungen, Erwartungen – aber auch Irritationen oder blinde Flecken.

Die Befragung ist mehr als ein Meinungsbarometer. Sie schafft eine Datenbasis für strategische Entscheidungen und hilft, Themen wie Wohnraumnutzung, Verkehrsbelastung, Gastfreundschaft oder kulturelle Spannungen frühzeitig zu erkennen und regional einzuordnen. Gleichzeitig wirkt sie auch kommunikativ: Wer fragt, signalisiert Interesse. Wer regelmässig nachfragt – wie Luzern über mehrere Jahre – zeigt, dass es kein Strohfeuer, sondern Teil einer kontinuierlichen Beziehungspflege ist.

Wichtig ist dabei: Eine solche Befragung muss nicht umfassend oder datenintensiv sein. Schon wenige gezielte Fragen – online, im Dorfblatt, via QR-Code oder an einer Gemeindeversammlung – können ein erstes, realitätsnahes Lagebild liefern.

Wer Pain Points identifizieren will, sollte sich nicht auf Einzelmeinungen oder Bauchgefühl verlassen, sondern bei den relevanten Zielgruppen nachfragen.

Ob Bergregion oder Stadtdestination – viele Orte stehen vor der gleichen Herausforderung: Wie geht es der Bevölkerung wirklich mit dem Tourismus? Was stört, was begeistert, was kippt – und wo?

Luzern hat eine umfassende Befragung realisiert. Doch der Mehrwert entsteht weniger durch den Umfang als durch die Haltung dahinter: zuhören, ernst nehmen, nachvollziehen. Das Grundprinzip lässt sich auch in kleinerem Rahmen umsetzen: mit kurzen Online-Umfragen, Dialogveranstaltungen, Interviews mit Vereinen oder einfachen Stimmungsabfragen in der Gemeinde.

So zeigt Luzern, wie eine lokal verankerte Befragung klare, belastbare Erkenntnisse liefert – weit über Einschätzungen hinaus. Gerade bei sensiblen Themen wie Dichtestress, Lärm, Wohnraum oder kulturelle Differenzen bietet eine solche Befragung eine seriöse Entscheidungsgrundlage.

Stadt Luzern
Silvia Muff | Projektleiterin Tourismus
silvia.muff@stadtluzern.ch
+41 41 208 78 55

Mehr zum Tourismusbewusstsein der Luzerner Stadtbevölkerung

Ein realistisches Bild davon gewinnen, wie die Bevölkerung den Tourismus erlebt – wo er positiv wirkt, wo er Herausforderungen mit sich bringt, und welche Themen sich langfristig zuspitzen könnten. Ziel ist es, auf fundierter Grundlage kluge, akzeptierte Entscheidungen treffen zu können und ein Frühwarnsystem zu entwickeln. Unterstützt werden kann eine solche Erhebung auch durch die Nachhaltigkeitsexpert:innen des STV-Netzwerks.

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Schritt

Was zu tun ist

Tipps aus Luzern

1. Relevante Themen definieren

Welche Felder sind für die Region besonders sensibel? (z. B. Wohnraum, Verkehr, Lärm, Umwelt, Preisentwicklung, Umgang mit Gästen)

Luzern hat gezielt zentrale Themenbereiche identifiziert, die emotional aufgeladen sein können.

2. Fragebogen entwickeln

Systematische, standardisierte Fragen neutral und verständlich formulieren, ggf. mit externer Fachstelle. Wichtig: Raum für Freitext und offene Rückmeldungen lassen. Beispielhafte Fragen:

Wie stark nehmen Sie den Tourismus an Ihrem Wohnort in Ihrem Alltag wahr?

Was schätzen Sie am Tourismus in Ihrer Region besonders?

Wo empfinden Sie den Tourismus als störend oder belastend?

Wie gut funktioniert aus Ihrer Sicht das Zusammenleben zwischen Gästen und Einheimischen?

Welche Veränderungen beobachten Sie in Ihrem Wohnumfeld durch den Tourismus?

Fokus auf Wahrnehmung, nicht auf Schuldzuweisungen – das fördert Offenheit.

3. Befragung konkret planen und versenden

Stichprobe, Kanäle, Versandzeitpunkt, Erinnerungsläufe und Incentives festlegen; rechtliche Rahmenbedingungen (Datenschutz, Einverständniserklärung) sicherstellen.

  • Versandkanäle: E-Mail (Kommunalgremien, Vereinsverteiler), Postversand (stichprobenartig), QR-Codes an öffentlichen Orten, lokale Medien-Beilagen, Social Media-Ads.

  • Timing & Erreichbarkeit: Versand nicht in Ferienzeiten; Antwortfenster 2–3 Wochen; 1–2 Erinnerungsmails zeitlich staffeln.

  • Incentivierung: Kleine, sinnvolle Anreize (z. B. Gemeindegutscheine, lokale Kultur-Tickets, Verlosung von Regionalprodukten) erhöhen die Rücklaufquote ohne Verzerrung. Klar kommunizieren: Zufallsziehung oder Teilnahme-Voucher.

  • Sprachvarianten und Barrierefreiheit: Fragebogen in relevanten Sprachen anbieten; kurze Version für mobil; optional telefonische Unterstützung für ältere Zielgruppen.

Datenschutz und Transparenz: Zweck der Erhebung, Aufbewahrungsdauer und Kontakt für Rückfragen klar angeben; anonymisierte Auswertung kommunizieren.

Niederschwellige Zugänge (z.B. Social-Media-Werbung, lokale Auslage) zusammen mit Online-Mailings erhöhen die Reichweite.

4. Ergebnisse analysieren und kommunizieren

Ergebnisse nach Themen und räumlich differenziert auswerten. Visualisierungen (z. B. Karten, Diagramme, Stimmungsbilder) erleichtern die Kommunikation. Werte, wenn möglich, in Vergleich zu Vorjahrszahlen oder Werte anderer Destinationen setzen. Ableitung von Handlungsfeldern, aber auch, was bereits gut läuft. Rückspiegelung an Bevölkerung und Politik.

Ergebnisrückfluss = Vertrauensaufbau. Sichtbarkeit ist Teil der Wirkung! Bei der Kommunikation an die Bevölkerung sollte neben den Kernerkenntnissen im Vordergrund stehen, welche nächsten Schritte geplant sind.

Erfolgsfaktoren

  • Ergebnisoffen fragen, nicht bestätigen wollen

  • Regelmässig wiederholen, um Entwicklungen sichtbar zu machen und ein Frühwarnsystem für Probleme zu haben

  • Transparenz schaffen, auch bei kritischen Resultaten

  • Wirklich hinhören – auch zwischen den Zeilen

Schweiz Tourismus: Genau hinhören und Klarheit gewinnen

© Switzerland Tourism / Mattias Nutt Photography

Schweiz Tourismus und die RTA haben gemeinsam eine umfassende Studie zur Tourismusakzeptanz in Auftrag gegeben, um zu verstehen: Wie denkt die Bevölkerung über den Tourismus und wo entstehen Spannungsfelder?

Der Clou: Die Studie verbindet qualitative Tiefeninterviews (N=46) mit einer repräsentativen Online-Befragung (N=2245) und beleuchtet nicht nur Meinungen, sondern auch Emotionen, Werte und persönliche Erlebnisse. Dabei werden zentrale Stressfaktoren wie steigende Preise, Wohnraummangel, Dichtestress, Verkehrsprobleme, Umweltbelastung oder das Verhalten von Tourist:innen sichtbar gemacht. Das Positive: Tourismus wird überwiegend positiv gesehen, solange er nicht stört. Wo er in den Alltag eingreift, steigt die Reibung. Wer also vorausschauend handeln will, braucht genau diese Erkenntnisse.

Die Studie macht schweizweit sichtbar, wie differenziert die Schweizer Bevölkerung den Tourismus wahrnimmt, und dass positives Grundvertrauen nicht vor wachsendem Unmut schützt, wenn Alltagsbereiche betroffen sind. Entscheidend ist: Die Studie fragt nicht nur ob akzeptiert wird, sondern wo, warum und unter welchen Bedingungen diese Akzeptanz schwindet.

Besonders wertvoll: Aufgrund der wiederkehrenden Erhebung dieser Studie alle zwei Jahre können Trends frühzeitig erkannt werden. Auch die Differenzierung zwischen Tourismuszentren, Städten sowie weiteren Schweizer Orten mit ihren verschiedenen Bedürfnissen bieten allen touristischen Anbieter:innen relevantes Wissen und inspirierende Einblicke. Aufgrund der Zielgruppendifferenzierung nach Altersgruppen, Parteipräferenz und persönlichem Tourismusbezug wird gezeigt, wo Sensibilisierung gezielt ansetzen sollte.

Die Studie liefert nicht nur Zahlen, sie liefert Orientierung, Warnzeichen und eine strategische Gesprächsgrundlage für Destinationen – heute und in Zukunft.

Dieses Beispiel kommt direkt aus der Schweiz und ist daher besonders anschlussfähig. Die Themen, die identifiziert wurden, sind überall in der Schweiz präsent: steiler werdende Preise, beliebtere Orte, Verkehrsverdichtung oder das Gefühl, als Einheimische:r den eigenen Lebensraum zu teilen.

Die Studie bietet:

  • Vergleichswerte für Regionen (Tourismuszentren, Städte, weitere Orte in der Schweiz)

  • Impulsfragen für eigene Analysen oder Gespräche vor Ort

  • Belege dafür, wie wichtig die frühzeitige Steigerung der Tourismusakzeptanz ist

Ab 2025 wird die Erhebung als regelmässiges Monitoring eingeführt. In einem regelmässigen Rhythmus wird die Stimmung in der Bevölkerung der Schweiz zum Tourismus erhoben. Ab 2026 gibt es für Destinationen zudem die Möglichkeit, sich an der Studie zu beteiligen und zusätzliche, destinationsspezifische Resultate zu erhalten. Durch die Aufstockung der regionalen Fallzahlen können neben dem Vergleich mit nationalen Resultaten auch regionale Unterschiede sichtbar gemacht werden und lokale Handlungsfelder klarer bestimmt werden. Auch destinationsspezifische Zusatzfragen können integriert werden, um besondere Informationsbedarfe zu decken.

Schweiz Tourismus
Nathalie Schönbächler | Head of Media
socialmedia@switzerland.com

Mehr dazu: Das denkt die Schweizer Bevölkerung über den Tourismus

Die bestehende, fundierte Tourismusakzeptanz-Studie liefert bereits viele wertvolle Erkenntnisse. Ziel ist es, diese Daten gezielt zu reflektieren, regional zu interpretieren und gegebenenfalls durch leichte Zusatzschritte zu ergänzen – ohne gleich selbst eine grosse Erhebung durchführen zu müssen.

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Schritt

Was zu tun ist

Tipps von Schweiz Tourismus

1. Zentrale Ergebnisse der ST-Studie heranziehen

Die Studienergebnisse sichten – besonders die Kapitel zu Preissensitivität, Alltagsbelastung, Gästewahrnehmung, Lebensqualität und Dichtestress. Notiert, welche Aussagen für eure Destination besonders relevant erscheinen, und haltet fest, wo ihr Parallelen oder Unterschiede seht.

Relevante Erkenntnisse für die eigene Region markieren, z. B. ähnliche Gästestruktur, oder Ortsgrösse. Eine einfache Tabelle mit «relevant/nicht relevant» hilft, den Überblick zu behalten.

2. Interne Diskussion und Selbstreflexion starten

Austausch mit Team, Partner:innen, Gemeinde: Wo treffen uns diese Themen? Welche Aussagen spiegeln sich auch bei uns? Wo sehen wir dringenden Handlungsbedarf – z. B. in der Kommunikation oder Infrastruktur? Diskutiert die Ergebnisse anhand konkreter Alltagssituationen («Wann spüren wir das?»), um abstrakte Befunde greifbar zu machen.

Nutzt ein Workshop-Format oder einen Jour fixe mit Leitfragen. Eine externe Moderation (z. B. durch Nachhaltigkeitsexpert:innen des STV-Netzwerks) kann helfen, unterschiedliche Perspektiven gleichwertig einzubinden.

3. Ergänzend ausgewählte Stimmen einholen

Wo sinnvoll: ein paar kurze Interviews mit Einwohner:innen, Gastgeber:innen oder Gemeindepersonal – zur Verortung der Studienaussagen im eigenen Alltag. Diese Gespräche können telefonisch, spontan vor Ort oder bei bestehenden Treffen stattfinden – es geht um Eindrücke, nicht Statistik.

Wenige, aber gezielte Gespräche reichen. Wichtig ist, dass verschiedene Blickwinkel vertreten sind (jüngere Personen/ältere Personen, direkt/indirekt vom Tourismus betroffen).

Erfolgsfaktoren

  • Bestehende Daten klug nutzen – statt das Rad neu zu erfinden

  • Reflexion fördern, nicht nur Bericht ablegen

  • Erkenntnisse in Strategie- und Sensibilisierungsarbeit übersetzen

  • Vertiefte Stimmen einholen – nicht als Pflicht, sondern als Ergänzung

Tipps

  • hearing

    Regelmässig und systematisch hinhören

    Kontinuierliche Erhebungen (Umfragen, Interviews, Beschwerdedaten) schaffen eine belastbare Basis statt punktueller Momentaufnahmen.

  • inventory

    Quantitative und qualitative Methoden kombinieren

    Zahlen (z. B. Befragungen, Besucherstatistiken) mit Geschichten und Tiefeninterviews verknüpfen, um sowohl Ausmass als auch Hintergründe zu verstehen.

  • auto_stories

    Bestehende Studien und Datenquellen einbeziehen

    Vorhandene Forschung (z. B. ST-Studie), Verwaltungsdaten und Monitoringdaten nutzen, um Aufwand zu reduzieren und Vergleichswerte zu schaffen.

  • mode_comment

    Niederschwellige Rückmeldungskanäle offenhalten

    Digitale und analoge Feedbackmöglichkeiten (Formulare, QR-Codes, Wunschboxen) anbieten, damit unterschiedliche Bevölkerungsgruppen leicht Rückmeldungen geben können.

  • diversity_3

    Vielfältige Stimmen einbinden

    Bewohner:innen, Gewerbe, Zweitwohnende, Jugendliche, Mobilitäts- und Naturschutzakteure regelmässig zu Wort kommen lassen, um ein repräsentatives Bild zu gewährleisten.

  • circle_notifications

    Frühwarnindikatoren definieren

    Indikatoren (z. B. Lärmmeldungen, Parkplatzknappheit, ÖV-Auslastung) festlegen, die frühzeitig auf sich verschärfende Pain Points hinweisen.

  • radar

    Handlungsbedarfe priorisieren

    Feststellen, welche Probleme nach Wirkung, Dringlichkeit und Umsetzbarkeit priorisiert werden sollten, um Ressourcen fokussiert einzusetzen.

  • query_stats

    Monitoring und Lernschleifen institutionalisieren

    Verantwortlichkeiten, Wiederholungsrhythmen und Budget festlegen, damit Erkenntnisse laufend in Massnahmen und Strategie einfliessen.

Stolperfallen

  • chair

    «Wir wissen schon, wie die Leute ticken.»

    Vermutungen, Bauchgefühl oder Hörensagen ersetzen keine fundierte Analyse. Wer nicht fragt, läuft Gefahr, die echten Themen zu übersehen.

  • pan_tool_alt

    «Einmal kurz messen – dann passt das schon.»

    Punktuelle Befragungen ohne Wiederholung oder Nachverfolgung sind wie Momentaufnahmen ohne Kontext. Nur kontinuierliche Beobachtung zeigt Trends und Entwicklungen.

  • people_alt

    «Ein paar Stimmen reichen uns.»

    Wenn immer dieselben reden (dürfen), bleibt das Bild verzerrt. Nur durch Vielfalt entsteht ein echtes Verständnis – quer durch Alter, Herkunft und Lebenssituation

  • campaign

    «Wir haben gefragt – aber jetzt ist auch wieder gut.»

    Befragungen, die keine Rückmeldung oder Umsetzung nach sich ziehen, wirken wie Alibi-Aktionen. Wer zuhört, muss auch zurückspielen.

  • lock

    «Das besprechen wir lieber intern.»

    Transparenz und Offenheit hinsichtlich Ergebnissen sind wichtig – bei der Kommunikation ist natürlich aber auch Fingerspitzengefühl hinsichtlich sensibler Inhalte und Daten gefragt.  

Übersicht Module

  • collections_bookmark

    Modul 1 – Tourismussensibilisierung fördern: Wie starte ich mit einer klaren Strategie?

  • handshake

    Modul 3 – Stakeholdermanagement gestalten: Wie binde ich die wichtigsten Ansprechgruppen aktiv ein?

  • interests

    Modul 4 – Tourismusnutzen steigern: Wie erhöhe ich den Mehrwert für alle Ansprechgruppen?

  • groups

    Modul 5 – Gästebeteiligung stärken: Wie mache ich Gäste zu Mitgestaltenden?

  • search

    Modul 6 – Kommunikation meistern: Wie gehe ich sicher mit klassischen Medien, Social Media und Politik um?

  • visibility

    Ausblick

Die Inhalte der Toolbox werden fortlaufend bis Frühling 2026 ausgearbeitet und veröffentlicht.

Porträtfoto von Romy Bacher

Ihre Ansprechperson

Romy Bacher