Nachhaltigkeit

Modul 4 – Tourismusnutzen steigern: Wie erhöhe ich den Mehrwert für alle Ansprechgruppen?

Die Toolbox zur Tourismusakzeptanz bietet touristischen Akteuren praxisnahe Unterstützung im Umgang mit Herausforderungen an der Schnittstelle zwischen Bevölkerung, Gästen und Tourismus. Sie sensibilisiert unterschiedliche Anspruchsgruppen für den Tourismus, stärkt die Tourismusakzeptanz langfristig und zeigt auf, wie ein konstruktiver Dialog geführt werden kann. In mehreren Modulen stellt die Toolbox Methoden, Kommunikationshilfen, Good-Practice-Beispiele und Umsetzungstools zur Verfügung. Die Inhalte sind anwendungsorientiert, flexibel einsetzbar und eignen sich sowohl zur Prävention als auch für den Umgang mit bestehenden Spannungen oder Konflikten.

Dieses Modul stellt den Tourismusnutzen in den Fokus.

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Tourismus entfaltet seine volle Kraft erst dann, wenn er für alle Beteiligten einen spürbaren und nachhaltigen Mehrwert schafft – nicht nur für Gäste, sondern auch für jene, die hier leben, investieren oder regelmässig zurückkehren. Wenn die Bevölkerung und Zweitheimische erleben, dass der Tourismus nicht nur «nimmt», sondern auch «gibt», entsteht ein gemeinsames Verständnis: Wir alle sind Teil desselben Erlebnisses und derselben Wertschöpfung.

Doch wie gelingt es, diesen Nutzen konkret zu steigern? Oft braucht es nur den Perspektivenwechsel – weg von der reinen Gästeorientierung hin zu einem Miteinander, bei dem die eigene Gemeinschaft ebenso im Mittelpunkt steht. Das bedeutet: Angebote so zu gestalten, dass sie auch für Einheimische attraktiv und bekannt sind, lokale Betriebe stärken und emotionale Bindung an die eigene Region fördern.

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Die Weinlese ist ein festlicher Anlass, der es Gästen und Einheimischen gleichermassen ermöglicht, die Atmosphäre der Weinbauregion des Tessins zu geniessen. Wenn Einwohner und Besitzer von Zweitwohnungen die Region als Gäste erleben und geniessen können, wächst die Identifikation und Akzeptanz des lokalen Tourismus und es entsteht gleichzeitig ein Mehrwert, der die Entwicklung lokaler Unternehmen unterstützt.
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Nadia Fontana Lupi, Directrice | OTR Mendrisiotto e Basso Ceresio

Good-Practice-Beispiele

Dieses Modul zeigt inspirierende Wege, wie das gelingen kann:

  • Im Tessin wird die traditionelle Weinlese bewusst für Einheimische, Zweitheimische und Gäste geöffnet – als gemeinsames Erlebnis, das regionale Wertschöpfung, Stolz und Verständnis für lokale Traditionen fördert

  • Savurando und FoodTrail führen auf kulinarischen Schatzsuchen abseits der Hotspots durch Natur und Dörfer – und verbindet spielerisches Erleben mit regionaler Wertschöpfung.

  • Mit der nationalen Aktion Please Disturb sowie mit lokalen, zeitlich begrenzten Aktionen wie in der Jungfrau Region öffnen mehrere Hotels in der Schweiz ihre Türen, schaffen Begegnungsräume und lassen die Bevölkerung am vielfältigen Angebot teilhaben.

Das Ziel ist klar: Wenn touristische Strukturen, Erlebnisse und Angebote nicht nur für Gäste, sondern auch für die eigene Gemeinschaft wirken, entsteht mehr Identifikation, mehr Akzeptanz – und eine nachhaltige Basis für alle. Dieses Modul liefert anhand von greifbaren Beispielen Ideen und Inspirationen, wie man diesen Mehrwert sichtbar macht und nachhaltig verankern kann.

Tessin: Die eigene Region für Einheimische zugänglich machen

© Switzerland Tourism / Gilgio Pasqua

Im Tessin wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Ansätze verfolgt, um den Tourismus nicht nur für auswärtige Gäste, sondern auch für die eigene Bevölkerung und Zweitheimische zugänglich und attraktiv zu machen. 

Im Mendrisiotto und im Basso Ceresio wird die traditionelle Weinlese bewusst für Einheimische wie auch für Gäste geöffnet. Interessierte können aktiv an der Ernte teilnehmen, Trauben lesen, Winzer:innen begleiten und den Weg vom Rebstock bis zum Wein aus nächster Nähe erleben. Die Weinlese wird so nicht nur als landwirtschaftlicher Prozess, sondern als gemeinsames Erlebnis inszeniert. 

Der Tourismus wird dadurch greifbar und sinnlich erfahrbar: Er findet nicht neben dem Alltag statt, sondern mitten darin. Einheimische erleben ihre Region aus einer neuen Perspektive, gewinnen Einblicke in lokale Wertschöpfung und Traditionen – und werden selbst Teil eines touristischen Angebots, das auf Authentizität, Nähe und Mitwirkung setzt. 

Das Weinlese-Beispiel zeigt eindrücklich, wie Tourismusakzeptanz entstehen kann, wenn Einheimische nicht nur Zuschauer:innen, sondern Mitwirkende sind. Durch die aktive Teilnahme entsteht ein direkter Mehrwert: 

  • Erlebnis vor der Haustür: Menschen entdecken Sehenswürdigkeiten, Freizeitangebote oder spezielle Angebote wie die Weinlese, die sie sonst vielleicht gar nicht genutzt hätten. 

  • Erlebnis statt Abstraktion: Tourismus wird nicht erklärt, sondern erlebt – direkt, konkret und emotional. 

  • Emotionale Bindung: Wer seine Heimat als Gast erlebt, entwickelt mehr Stolz, Identifikation und Verständnis für den Tourismus und kann dies auch weitergeben. 

  • Begegnung auf Augenhöhe: Einheimische und Gäste teilen dieselbe Erfahrung, was Barrieren abbaut und das gegenseitige Verständnis fördert. 

  • Stärkung der Akzeptanz: Wenn touristische Strukturen nicht nur den Gästen dienen, sondern auch den Einheimischen, wächst die Bereitschaft, diese Strukturen zu unterstützen. 

Solche Programme schaffen ein gemeinsames Erlebnisfeld für Bevölkerung und Gäste und damit eine echte Brücke zwischen Tourismus und Alltagsleben. 

Das Prinzip hinter dem Tessiner Weinleseprojekt ist breit übertragbar: Touristische Erlebnisse dort öffnen, wo lokale Identität, Arbeit und Kultur sichtbar werden. Ob Alpabzug, Käseherstellung, Handwerk, Naturpflege oder saisonale Arbeiten – viele Regionen verfügen über authentische Tätigkeiten, die sich behutsam für Einheimische und Gäste zugänglich machen lassen. 

Solche Formate benötigen keine grosse Infrastruktur oder Marketingkampagnen. Entscheidend ist die Haltung: Tourismus nicht nur für Gäste zu denken, sondern als gemeinsames Erlebnisfeld für alle, die in der Region leben oder sie besuchen. Genau darin liegt ein starkes Instrument, um Akzeptanz zu fördern, Stolz zu stärken und den Mehrwert des Tourismus im Alltag spürbar zu machen. 

OTR Mendrisiotto e Basso Ceresio
info@mendrisiottoturismo.ch
+41 91 641 30 50

Mehr zur Weinlese in der Region Mendrisiotto und Basso Ceresio

Mehr zur Schweizweiten Initiative von Swiss Wine

Lokale Angebote für die eigene Bevölkerung und Zweitwohnende öffnen sowie bei dieser Zielgruppe bekannt machen, und dadurch wirtschaftliche Impulse, Identifikation und Akzeptanz stärken. Durch partizipative Erlebnisse wie die Weinlese wird regionale Wertschöpfung sichtbar, Stolz gefördert und Tourismus als Teil des Alltags erlebbar gemacht.

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Schritt

Was zu tun ist

Tipps aus dem Tessin

1. Lokale Akteur:innen einbinden

Betriebe und Organisationen identifizieren, die authentische Einblicke ermöglichen (z. B. Winzer:innen, Landwirtschaftsbetriebe, Produzent:innen, Vereine).

Frühzeitig klären, was realistisch ist: Dauer, Gruppengrösse, Sicherheitsaspekte. Kleine Gruppen und klare Abläufe entlasten die Betriebe.

2. Erlebnis klar definieren

Festlegen, wie Teilnehmende eingebunden werden (z. B. Trauben lesen, Einblick in Verarbeitung, gemeinsames Essen)

Erlebnis nicht überfrachten: Lieber ein klarer, ehrlicher Einblick als ein perfektes Event. Authentizität wirkt stärker als Inszenierung.

3. Zielgruppen bewusst öffnen

Angebot explizit für Einheimische, Zweitheimische und Gäste zugänglich machen und zielgruppengerecht kommunizieren.

Die Mischung macht’s: Gemeinsame Erlebnisse fördern Austausch und Verständnis zwischen Bevölkerung und Gästen.

4. Teilnahme niederschwellig gestalten

Anmeldung einfach halten (online, Tourist Info, Gemeinde, Betriebe – die Kanäle auswählen, die die verschiedenen Zielgruppen auch tatsächlich erreichen). Klare Infos zu Aufwand, Dauer und Erwartungen.

Transparenz schafft Vertrauen: Vorab klar kommunizieren, dass es ums Mitmachen geht – nicht um eine klassische Führung

5. Erfahrungen sichtbar machen

Rückmeldungen sammeln und Geschichten teilen (Fotos, kurze Statements, Zitate). Kommunikation über lokale Kanäle: Gemeindemedien, Vereine, Schulen, Betriebe, Social Media. 

Nicht nur Zahlen messen: Emotionen, Aha-Momente und Stolz sind zentrale Wirkungsindikatoren. Feedback sichtbar machen – z. B. in einem Jahresbericht oder auf Social Media.

Erfolgsfaktoren bei der Anwendung

  • Echtheit statt Eventisierung: Alltägliche Erlebnisse bewusst öffnen – nicht inszenieren. 

  • Mitmachen erlaubt: Aktive Beteiligung schafft Verständnis und Wertschätzung. 

  • Geschichten teilen: Erlebnisse sichtbar machen stärkt Identifikation und Akzeptanz. 

Regionale Naturpärke in der Schweiz: Mikroerlebnisse ausserhalb von Hotspots schaffen wie Savurando und FoodTrail

© Schweiz Tourismus / Christian Meixner

Die Projekte «Savurando» und «FoodTrail» stellen eine innovative Kulinarik-Schatzsuche dar, die in mehreren regionalen Naturpärken in der Schweiz angeboten werden. Dabei folgen Teilnehmende einer Route – zu Fuss oder mit dem E-Bike – und lösen unterwegs verschiedene Rätsel. Diese Erlebnistouren führen bewusst abseits der bekannten Touristenpfade durch naturnahe Landschaften und kleine Dörfer. Als Belohnung erwarten die Besucher:innen regionale Spezialitäten von lokalen Produzent:innen.

Das Ziel ist, nicht nur Gästen von ausserhalb, sondern auch der lokalen Bevölkerung neue, genussvolle Erlebnisse in der eigenen Region zu bieten. Gleichzeitig wird damit eine dezentrale touristische Entwicklung gefördert: Touristische Aktivitäten werden auf weniger frequentierte Orte verteilt und regionale Produzent:innen erhalten eine stärkere Sichtbarkeit und wirtschaftliche Unterstützung.

«Savurando» und «FoodTrail» setzen auf das Konzept von Mikroerlebnissen abseits der bekannten Hotspots. Durch eine spielerische Kombination aus Bewegung, Rätseln und Kulinarik werden Gäste und Bevölkerung motiviert, weniger frequentierte Wege und Regionen aktiv zu entdecken.

Der direkte Nutzen liegt darin, dass sowohl Einheimische als auch Gäste die Vielfalt und Qualität ihrer Region neu kennenlernen und wertschätzen. Die regionale Identität wird gestärkt, da lokale Produzent:innen und ihr Angebot sichtbar werden – gleichzeitig profitieren sie wirtschaftlich von zusätzlichen Kund:innen.

Darüber hinaus helfen die Initiativen, die Belastung in stark besuchten Touristenzentren zu reduzieren, indem das Interesse auf bisher wenig genutzte Orte gelenkt wird. So entsteht ein nachhaltigeres Tourismusmodell, das Umwelt und Gemeinschaft schont und neue Begegnungsräume schafft.

Mit «Savurando» und «FoodTrail» entstehen touristische Angebote mit Fokus auf die lokale Bevölkerung, lokale Produzent:innen und das regionale Schaffen der Pärke, die echten Mehrwert schaffen:

  • Tourismus für alle: Auch die lokale Bevölkerung erhält Anreize, die eigene Region neu zu entdecken und dabei kleine Produzent:innen zu unterstützen.

  • Stärkung regionaler Identität: Genuss, Natur und Kultur werden unmittelbar erlebbar – und schaffen Stolz auf die eigene Heimat.

  • Breitere Wertschöpfung: Einnahmen fliessen nicht nur in touristische Zentren, sondern auch in Randregionen und kleine Betriebe.

  • Nachhaltige Besucherlenkung: Durch attraktive Erlebnisse abseits der Hauptströme wird die Belastung an überfüllten Orten reduziert.

Netzwerk Schweizer Pärke
Nadja Urfer | Leiterin Koordinationsstelle Tourismus
n.urfer@parks.swiss
+41 31 512 08 68

Mehr zu Savurando
Mehr zu FoodTrail


Abseits der touristischen Hotspots neue, leicht zugängliche Erlebnisse schaffen, die sowohl Einheimische als auch Gäste ansprechen. Durch spielerische Formate wie Kulinarik-Schatzsuchen, Rätsel- oder Thementouren werden weniger bekannte Orte belebt, lokale Produzent:innen unterstützt und die regionale Identität gestärkt.

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Schritt

Was zu tun ist

Tipps von «Savurando» und «FoodTrail»

1. Thema wählen

Ein verbindendes Thema festlegen (z. B. Kulinarik, Natur, Handwerk), das zur Region passt und unterschiedliche Stationen verbindet.

Lokale Spezialitäten oder regionale Geschichten schaffen einen starken Bezug.

2. Route gestalten

Eine attraktive Strecke abseits der Haupttouristenwege festlegen, die zu Fuss, per Velo oder ÖV erreichbar ist und mit interaktiven Elementen (Fragen, Spiele, Aufgaben) angereichert werden kann.

Kombination aus Naturerlebnis und kleinen, aktivierenden Begegnungen einplanen. Zwischenstopps mit Aussicht, Rastplätzen oder Hofläden sorgen für Abwechslung. Digitale Karten oder QR-Codes können die Orientierung und das Spielerlebnis unterstützen.

3. Partner:innen einbinden

Lokale Produzent:innen, Gastronomie und Kulturanbieter:innen als Stationen einbeziehen.

Partner:innen profitieren von Sichtbarkeit und zusätzlicher Kundschaft, Teilnehmende entdecken authentische Orte.

4. Einfache Buchung ermöglichen

Tiefe Einstiegshürden (Onlinebuchung, fixe Startpakete, klarer Ablauf) schaffen.

Auch spontane Teilnahme vor Ort fördern: Startpakete in Tourismusbüros oder Dorfläden bereitstellen; digitale Tickets per QR-Code erleichtern den Zugang.

5. Kommunikation lokal verankern

Die Bevölkerung aktiv einladen und Angebote auch über lokale Kanäle bewerben (Gemeindeblatt, Social Media, Dorfanlässe).

Persönliche Ansprache (z.B. über Vereine, Schulen) erhöht die Teilnahme von Einheimischen. Erlebnisse auf Social Media und in lokalen Gemeindeblättern teilen – so entsteht Begeisterung und Mundpropaganda.

Erfolgsfaktoren bei der Anwendung

  • Niedrigschwellig und inklusiv: Angebote so gestalten, dass sie für Familien, Gruppen oder Einzelpersonen zugänglich sind.

  • Dezentrale Wirkung: Routen bewusst durch weniger bekannte Orte führen, um Hotspots zu entlasten.

  • Lokale Wertschöpfung: Zusammenarbeit mit Betrieben vor Ort ist zentral – von Produzent:innen bis zur Dorfbeiz.

  • Emotionale Verbindung schaffen: Genuss, Natur und spielerische Elemente verbinden und so einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

«Please Disturb»: Hotels als Begegnungsraum für Einheimische

© HotellerieSuisse

Hotels sind weit mehr als reine Übernachtungsorte für Gäste – vielmehr können sie zu lebendigen Begegnungsräumen für die lokale Bevölkerung werden. Verschiedene Initiativen in der Schweiz zeigen, wie das Gastgewerbe neue Brücken zwischen Gastgeber:innen, Gästen und Einheimischen schlägt.

Ob durch Blicke hinter die Kulissen, wie beim nationalen Aktionstag «Please Disturb», bei dem Besucher:innen in über 50 Hotels schweizweit Hotellobbys, Küchen oder Gästezimmer erkunden und dabei Lernenden sowie Hoteliers direkt begegnen. Oder durch exklusive Übernachtungsangebote für Einheimische, wie in einem zeitlich befristeten Angebot der Jungfrau Region, die vergünstigte Aufenthalte in lokalen Hotels ermöglichen.

Das Resultat: Hotels werden als Teil des Alltags neu entdeckt, echte Erlebnisse werden geschaffen. Begeisterte Teilnehmer:innen, die ihre Wertschätzung für die Hotellerie vertiefen, und eine Branche, die sich offen, nahbar und erlebbar präsentiert – ein Gewinn für alle Seiten.

«Please Disturb» und exklusive Erlebnisangebote zeigen eindrücklich, wie touristische Angebote gezielt für die lokale Bevölkerung geöffnet und erlebbar gemacht werden können – über das klassische Hotelgeschäft hinaus. Die Aktion macht aus gewöhnlichen Hoteltüren Erlebnisräume und verwandelt neugierige Besucher:innen in begeisterte Entdecker:innen. Der direkte Mehrwert:

  • Neue Zugänge schaffen: Hotels werden von Orten, die man sonst nur als Gast von aussen kennt, zu offenen Erlebnis- und Begegnungsräumen.

  • Emotionale Bindung stärken: Wer die Hotellerie in der eigenen Stadt oder Region erlebt, entwickelt mehr Verständnis und Stolz für die Branche.

  • Wirtschaftliche Wirkung entfalten: Die Hotels gewinnen lokale Sichtbarkeit, zusätzliche Auslastung – gerade in ruhigen Zeiten – und potenziell neue Gästesegmente.

  • Tourismus greifbar machen: Tourismus wird nicht als abstrakte Grösse erlebt, sondern als etwas, das im Alltag der Bevölkerung verankert ist.

«Please Disturb» und Übernachtungsangebote für Einheimische sind ein Musterbeispiel dafür, wie Tourismus greifbar gemacht werden kann. Sie vermitteln Stolz, Verständnis und Wertschätzung für lokale Betriebe, und zwar auf eine Art, die leicht nachvollziehbar und erlebbar ist und dazu noch Spass macht. Regionen jeder Grösse können dieses Konzept adaptieren, sei es mit Hotels, Pensionen oder anderen touristischen Einrichtungen – angepasst an die örtliche Infrastruktur, Teilnehmerzahl und lokale Gegebenheiten. Der Fokus liegt auf Erlebnissen, Emotionen und Einblicken, nicht nur auf finanziellen Vorteilen. Wer die Arbeitswelt, die Dienstleistungen oder die Atmosphäre eines Hotels selbst erlebt, entwickelt eine engere Bindung zum Tourismus vor der eigenen Haustür – ein Zugewinn für Betriebe, Bevölkerung und regionale Identität. Entscheidend ist nicht die Grösse der Hotels oder Region, sondern das Erlebnis und die Nähe, die geschaffen werden.

HotellerieSuisse
Elian Schmid | Fachspezialistin Bildungsmarketing
pleasedisturb@hotelleriesuisse.ch
+41 31 370 42 83

Jungfrau Region Tourismus AG
Isabelle Rapisarda
isabelle.rapisarda@jungfrauregion.swiss
+41 33 854 12 51

Mehr zu «Please Disturb»

Tourismus erlebbar machen, Verständnis und Begeisterung schaffen: Mit einem Tag der offenen Hoteltüren sowie Übernachtungen in Hotels erhalten Einheimische einen exklusiven Einblick in die Abläufe und Atmosphäre der Hotellerie. So werden Emotionen geweckt, Nähe geschaffen und das Vertrauen in die Betriebe gestärkt – eine Basis für langfristige Tourismusakzeptanz.

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Umsetzungsoptionen

Methode

Tipps aus der Praxis

Offene Hotel-Erlebnisse

Ein Tag oder mehrere Aktionen, an denen Einheimische in die Arbeitswelt der Hotels eintauchen können. Die Aktionstage umfassen bspw. geführte Touren durch die Hotellobby, Küchen, Zimmer und andere Bereiche, begleitet von kurzen interaktiven Programmen, bei denen Mitarbeitende ihre Aufgaben erklären und Einblicke in ihren Arbeitsalltag geben.

  • Bei «Please Disturb» öffnen Hotels schweizweit ihre Türen und schaffen somit für alle die Möglichkeit, einen Einblick zu erhalten.

  • Jahreszeit und Zeitpunkt nach Möglichkeit so wählen, dass möglichst viele Besucher:innen teilnehmen können, gleichzeitig aber das Gästeaufkommen geringer ist, was die Belastung für das Personal möglichst gering hält.

  • Aktionen sichtbar über Social Media, Plakate und lokale Medien bewerben.

  • Kurze, interaktive Programme (z.B. Mitmach-Stationen, Mini-Workhops) erhöhen die Aufmerksamkeit und das Verständnis für die Branche.

Vergünstigte Übernachtungen für Einheimische

Hotels bieten Einheimischen zeitlich begrenzte, vergünstigte Übernachtungen an, um die touristische Infrastruktur erlebbar zu machen.

  • Angebote auf geeigneten Kanälen kommunizieren (z.B. Social Media, Gemeindeblätter).

  • Eine einfache Buchung schaffen, sowohl analog, als auch digital, um Hürden abzubauen.

  • Saisonal und nach Auslastung variierende sowie abwechslungsreiche Angebote einplanen, z.B. Winteraktionen mit Wellnessbezug oder Sommerangebote mit Outdoor-Erlebnissen.

Erfolgsfaktoren

  • Niederschwellig und sichtbar: Aktionen sollen Neugier wecken, nicht belehren.

  • Emotionale Bindung fördern: Begegnungen schaffen Nähe und Verständnis für die lokale Hotellerie.

  • Vielfalt zeigen: Verschiedene Hotels, Berufe und Programme einbinden.

  • Kontinuität und Wiederholung: Regelmässige Angebote machen Hotels als Begegnungsorte nachhaltig sichtbar.

  • Mehrwert für alle schaffen: Einheimische erleben Tourismus, Hotels gewinnen Sichtbarkeit, Auslastung und Feedback, Region stärkt ihre Identität.

Tipps

  • extension

    Lokale Partner:innen aktiv einbinden

    Hotels, Gastronomie, Freizeitbetriebe, lokale Betriebe oder ÖV-Anbieter als Kooperationspartner:innen gewinnen, um die Angebote authentisch und wirksam umzusetzen und gemeinsame, nachhaltige Mehrwerte zu schaffen.

  • home

    Angebote für Einheimische gleichermassen wie für Tourist:innen öffnen

    Touristische Angebote so gestalten, dass sie auch für die lokale Bevölkerung und Zweitwohnende bekannt, attraktiv und zugänglich sind. Gemeinsame Erlebnisse schaffen Mehrwert, stärken emotionale Bindung und unterstützen lokale Betriebe.

  • festival

    Abseits der Hotspots Erlebnisse schaffen

    Mikroerlebnisse wie Schatzsuchen, Rätseltouren oder kleine Kulinarik-Events motivieren Einheimische und Gäste, weniger frequentierte Orte aktiv zu entdecken und die Belastung an Hauptattraktionen zu reduzieren.

  • phone_android

    Teilnahme leicht machen

    Ob Buchung, Anmeldung oder Information – der Zugang zu Angeboten soll unkompliziert, intuitiv und ohne Hürden funktionieren. Je einfacher der Einstieg, desto grösser die Wirkung.

  • casino

    Erlebnisse spielerisch und interaktiv gestalten

    Touristische Angebote so aufbereiten, dass sie Spass machen, Neugier wecken und die Teilnehmenden aktiv einbeziehen. Spielerische Elemente erhöhen Motivation und emotionale Bindung.

  • track_changes

    Zielgruppen differenziert ansprechen

    Informationen und Angebote auf unterschiedliche Altersgruppen, Interessen oder Wohnformen abstimmen, um eine möglichst breite Beteiligung und Wirkung zu erzielen.

  • celebration

    Erlebnisse sichtbar machen und feiern

    Ergebnisse und Highlights kommunizieren, Erfolge sichtbar präsentieren und Feedback teilen, um Motivation, Vertrauen und Identifikation aller Beteiligten zu stärken.

  • insert_chart

    Wirkung messen und nachjustieren

    Teilnahmezahlen, Feedback der Bevölkerung und Partnerbetriebe systematisch erfassen, um Angebote kontinuierlich zu optimieren und auf Bedürfnisse abzustimmen.

Stolperfallen

  • door_front

    «Wir öffnen die Türen – aber nur symbolisch.»

    Wenn Aktionen nur oberflächlich stattfinden, verlieren Besucher:innen schnell das Interesse. Echtes Mitmachen und Einblicke sind entscheidend für Begeisterung und Vertrauen.

  • cottage

    «Alles für die Gäste, die Einheimischen bleiben aussen vor.»

    Touristische Angebote ohne Bezug zur lokalen Bevölkerung schaffen keine emotionale Bindung und fördern keine Akzeptanz.

  • campaign

    «Programme kompliziert oder unklar kommunizieren.»

    Wenn Anmeldung, Ablauf oder Vorteile unklar sind, sinkt die Teilnahme. Niederschwellige und verständliche Informationen sind ein Muss.

  • inventory_2

    «Zu viel auf einmal wollen.»

    Überladene Formate schrecken ab. Kleine, ehrliche und gut umsetzbare Erlebnisse wirken oft stärker als grosse, komplexe Programme.

  • directions_run

    «Wir wissen schon, was die Einheimischen wollen.»

    Angebote ohne Einbezug der lokalen Bevölkerung gehen oft an den Bedürfnissen vorbei. Zuhören und Mitdenken sind entscheidend für Akzeptanz.

Übersicht Module

  • collections_bookmark

    Modul 1 – Tourismussensibilisierung fördern: Wie starte ich mit einer klaren Strategie?

  • volunteer_activism

    Modul 2 – Übersicht gewinnen: Wie identifiziere ich Herausforderungen meiner Destination?

  • handshake

    Modul 3 – Stakeholdermanagement gestalten: Wie binde ich die wichtigsten Ansprechgruppen aktiv ein?

  • groups

    Modul 5 – Gästebeteiligung stärken: Wie mache ich Gäste zu Mitgestaltenden?

  • search

    Modul 6 – Kommunikation meistern: Wie gehe ich sicher mit klassischen Medien, Social Media und Politik um?

  • visibility

    Ausblick

Die Inhalte der Toolbox werden fortlaufend bis Frühling 2026 ausgearbeitet und veröffentlicht.

Porträtfoto von Romy Bacher

Ihre Ansprechperson

Romy Bacher