Wichtiger Richtungsentscheid für den Tourismusstandort Schweiz

Kommentar

Der Bundesrat hat per 2. Mai die letzten verbliebenen Einschränkungen im interkontinentalen Reiseverkehr aufgehoben und somit auch die Basis für eine erfolgreiche Sommersaison für den Schweizer Tourismus geschaffen. Der langersehnten Reisefreiheit droht aber neues Ungemach. Am 15. Mai stimmen wir über den zusätzlichen Beitrag der Schweiz an die Europäische Grenz- und Küstenschutzorganisation «Frontex» ab. Bei einem Nein würde die Schweiz automatisch aus dem Schengen-Abkommen ausscheiden. Ohne «Schengen» wiederum würde unser Land zur Visums-Insel, denn Touristen aus den wichtigen Fernmärkten bräuchten eine separate Einreisegenehmigung. Zahlreiche interkontinentale Gäste würden wohl auf ihrer Europareise auf die Schweiz verzichten. Studien beziffern den Verlust für den Tourismussektor auf jährlich über eine halbe Milliarde Franken. Ein Schreckensszenario angesichts der Liquiditätsprobleme, mit welchen unsere Betriebe aufgrund der Coronapandemie bereits zu kämpfen haben. Hinzu kommen die Grenzkontrollen, welche wieder eingeführt werden müssten, weil die Schweiz bei einem Schengen-Ausschluss zur Aussengrenze der EU würde. Für die Gäste (und auch für uns) bedeutet dies Staus und Reisebürokratie an den Grenzen. Für die Betriebe wird das Risiko von Lieferengpässe verschärft.

Bei der Frontex-Abstimmung geht es aber noch um weit mehr. Es geht darum, ob die Schweiz ihren Teil zu gesamteuropäischen Lösungen für drängende Probleme unserer Zeit leisten möchte. Vom Tisch aufzustehen und wegzulaufen wird keinerlei Probleme lösen. Ganz im Gegenteil - Frontex wird es auch ohne Schweizer Beitrag geben. Die bereits angespannten Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU würden aber zusätzlich verschlechtert. Dies würde auch Lösungen bei den institutionellen Fragen in weite Ferne rücken und die negativen Auswirkungen von erodierenden bilateralen Abkommen weiter verschärfen. Das würde nicht nur den Tourismus hart treffen, sondern die ganze Schweizer Wirtschaft als grosse Verliererin dastehen lassen. Deshalb braucht es am 15. Mai zwingend ein «Ja». Ja zu Frontex, heisst Ja zu Schengen und Ja zur Reisefreiheit und einer prosperierenden Schweizer Wirtschaft.

Philipp Niederberger, Direktor Schweizer Tourismus-Verband

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