Tourismuspolitik
Der bilaterale Weg: Fundament für Stabilität, Sicherheit und optimalen Marktzugang
Die Schweiz liegt im Herzen Europas. Wir sind wirtschaftlich, geografisch und gesellschaftlich eng mit unseren Nachbarn verflochten. Die Europäische Union ist mit Abstand unsere wichtigste Handelspartnerin. Täglich werden Güter und Dienstleistungen in Milliardenhöhe zwischen der Schweiz und der EU ausgetauscht. Unternehmen, Spitäler, Hotellerie und Restaurants sind auf Fachkräfte aus dem europäischen Ausland angewiesen und in Bereichen wie Forschung, Verkehr, Landwirtschaft oder Sicherheit besteht eine enge Zusammenarbeit. Diese Verflechtung ist historisch gewachsen und beruht heute wesentlich auf den bilateralen Verträgen.
Gastbeitrag von Monika Rühl, Vorsitzende der Geschäftsleitung von economiesuisse
Für eine kleine, stark exportorientierte Volkswirtschaft wie die Schweiz ist ein hindernisfreier Zugang zu unserem grössten Absatzmarkt zentral. Die rund 450 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten im europäischen Binnenmarkt nehmen heute rund die Hälfte der Schweizer Warenexporte ab. Trotz des Wachstums anderer Weltregionen bleibt die EU die mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartnerin der Schweiz.
Bilaterale Verträge als stabiles Fundament
Gerade im aktuell sehr unsicheren Umfeld sind verlässliche Handelsbeziehungen zur wichtigsten Partnerin der Schweiz eine strategische Notwendigkeit. Die bilateralen Verträge bilden seit über 25 Jahren das stabile Fundament für die enge Zusammenarbeit. Diese Verträge erleichtern den Marktzugang, bauen Handelshemmnisse ab und schaffen verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen. Davon profitieren die exportorientierte Schweizer Wirtschaft, aber auch der Arbeitsmarkt und die Konsumentinnen und Konsumenten.
Zwar lässt sich der Nutzen der Bilateralen nicht exakt beziffern – schliesslich existiert eine Schweiz ohne bilaterale Verträge nur als theoretisches Szenario. Dennoch haben verschiedene wissenschaftliche Studien versucht, die Auswirkungen mittels Modellrechnungen abzuschätzen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Sowohl gesamtwirtschaftlich als auch pro Kopf betrachtet entfalten die Bilateralen I einen klar positiven Effekt auf Wohlstand und Wirtschaftsleistung.
Wichtig für den Tourismus
Ein wichtiger Treiber dieses Effekts ist der unbürokratische Zugang zu qualifizierten Fachkräften aus dem EU-Raum. Dieser ist gerade auch für den Tourismus als internationale Wertschöpfungsbranche mit einem hohen Anteil an ausländischen Arbeitskräften essenziell. Gleichzeitig profitiert der Schweizer Tourismus von der Teilnahme am Schengen‑Raum. Diese erleichtert Reisen erheblich und ermöglicht, dass viele Gäste im Rahmen eines Europa-Besuchs unkompliziert in die Schweiz kommen können.
Bilateraler Weg bleibt alternativlos
Die Bilateralen sind kein Selbstzweck, sondern ein bewährtes Instrument pragmatischer Zusammenarbeit. Sie tragen wesentlich zur wirtschaftlichen Stärke der Schweiz bei. Auch wenn es immer wieder behauptet wird: Es gibt keine gleichwertigen Alternativen zum bilateralen Weg. Ohne die Bilateralen isolieren wir uns und werden zum Spielball der Blöcke. Das ist zweifellos nicht im Interesse des Standorts Schweiz.
Leider wollen dies nicht alle wahrhaben. Der bilaterale Weg wird immer wieder bedroht. So auch aktuell durch die Chaos-Initiative der SVP. Was wie eine «einfache» Lösung für Zuwanderungsfragen aussieht, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als gefährlicher Bumerang für unser Land: Die Initiative bedroht den Wohlstand, die Versorgung und die Stabilität der Schweiz massiv. Anstatt die tatsächlich bestehenden Herausforderungen der Zuwanderung konstruktiv anzugehen, schafft die Initiative zahlreiche neue Probleme.
Die demografische Entwicklung – immer mehr Pensionierungen bei sinkender Geburtenrate – macht eine Zuwanderung von Arbeitskräften unverzichtbar. Mit dem geforderten starren Bevölkerungsdeckel ist offen, welche Branchen künftig auf dringend benötigte ausländische Arbeitskräfte verzichten müssen. Gerade für die Forschung, die Gastronomie und Hotellerie, das Gesundheitswesen und unsere Exportunternehmen wäre dies angesichts des demografischen Wandels ein sehr riskantes Experiment. Die Chaos-Initiative löst kein einziges Problem, sondern schafft zahlreiche neue Risiken für Wohlstand, Versorgung und die gesellschaftliche Stabilität. Wem der bilaterale Weg als Fundament für Stabilität, Sicherheit und optimalen Marktzugang wichtig ist, muss am 14. Juni klar NEIN zur Chaos-Initiative stimmen.
economiesuisse ist der Dachverband der Schweizer Wirtschaft. Der Verband vertritt die Interessen der wettbewerbsorientierten, international vernetzten und verantwortungsbewussten Schweizer Wirtschaft. Als Bindeglied zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft setzt er sich für optimale Rahmenbedingungen für Schweizer Unternehmen ein – vom KMU bis zum Grossunternehmen. economiesuisse zählt dabei 100 Branchenverbände, 20 kantonale Handelskammern sowie Einzelfirmen zu seinen Mitgliedern. Das Engagement von economiesuisse für die Wirtschaft orientiert sich an den Grundsätzen der freiheitlichen, marktwirtschaftlichen Ordnung und des nachhaltigen Wachstums. Monika Rühl ist seit dem 1. September 2014 Vorsitzende der Geschäftsleitung von economiesuisse.
Dieser Gastbeitrag ist im Rahmen einer Content-Serie für den Newsletter Tourismuspolitik zum Thema Europapolitik entstanden.
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