Nachhaltigkeit

Valendas’ Weg zum Best Tourism Village 2025

Das Bündner Bergdorf Valendas in der Surselva wurde 2025 von der Welttourismusorganisation UN Tourismus als «Best Tourism Village» ausgezeichnet. Weshalb hat sich Valendas auf die internationale Initiative beworben, wie wurde der gesamte Prozess angegangen und welche Tipps gibt Valendas interessierten Gemeinden und Destinationen mit auf den Weg? Adrian Keller, Leiter Marketing & Kommunikation bei Surselva Tourismus, spricht über Valendas’ Erfahrungen bei der erfolgreichen Kandidatur im vergangenen Jahr.

Das Bündner Dorf Valendas, Blick auf Dorfbrunnen und Gasthaus am Brunnen
Valendas, Best Tourism Village 2025 © Dani Ammann

Was waren die ausschlaggebenden Gründe, dass sich Valendas für die Initiative Best Tourism Villages by UN Tourism beworben hat?

Wir waren der Meinung, dass Valendas perfekt zu Best Tourism Villages passt. Wir wollten Graubünden, die Surselva und das Safiental mit Valendas national und international sichtbarer machen. Ausserdem wollten wir zeigen, dass nachhaltiger Tourismus in der Surselva umgesetzt wird. Mit der Stiftung Valendas Impuls, den Tourismusorganisationen und der Gemeinde Safiental wurde Valendas über 25 Jahre durch verschiedene Initiativen und Projekte neu belebt. Mit der Teilnahme an der Initiative wollten wir den Beteiligten eine Plattform bieten und diese ausserordentliche Arbeit wertschätzen.

Wie habt ihr den Bewerbungsprozess intern organisiert – von der ersten Idee bis zur finalen Einreichung?

Es war ein Zusammenspiel von Tourismusverbänden, lokalen Gemeindevertretern und weiteren Partnern. Ab dem Aufruf zur Kandidatur musste innerhalb weniger Wochen ein hochqualitatives Dossier in englischer Sprache erarbeitet werden. Entscheidend war der Einbezug aller Beteiligten, um die Kandidatur mit möglichst umfassenden Informationen anzureichern und Valendas angemessen darstellen zu können. Ebenso wichtig waren eine klare Aufgabenverteilung und eine strikte Planung, beginnend mit einem initialen Austausch zur Festlegung der Rollen, damit das umfangreiche Dossier inklusive Präsentation und Video termingerecht erstellt werden konnte.

Welche Herausforderungen sind bei der Erarbeitung des Bewerbungsdossiers aufgetaucht?

Die Erarbeitung der Kandidatur mit einem sehr umfangreichen Dossier benötigt substanzielle Ressourcen. Um alle Fragen zu beantworten und die Anforderungen der Kandidatur zu dokumentieren, war eine intensive Koordination zwischen allen Beteiligten notwendig. Nur so konnte die ganzheitliche Betrachtung der Nachhaltigkeit, welche die Kandidatur verlangt, korrekt und gleichzeitig authentisch für Valendas erfasst werden.

Gab es auch positive Erkenntnisse oder unerwartete Benefits, die ihr aus dem Bewerbungsprozess für euch mitnehmen konntet?

Definitiv. Es wurde uns einmal mehr vor Augen geführt, wie wertvoll die kontinuierliche Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, Vereinen und Organisationen ist. Überraschend war, dass sie sich diese, sogar aufgrund des hohen Aufwands für die Kandidatur, nochmals nachhaltig verbessert hat. Die kollektive Genugtuung und die Freude am Erreichten waren trotz dem hohen Aufwand deutlich spürbar, bereits vor dem Erreichen der Auszeichnung.

Porträt von Adrian Keller, Surselva Tourismus
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Alles, was wir für das Dossier gesammelt und aufbereitet haben, hat uns geholfen, Schwächen und Chancen zu identifizieren und unseren Massnahmenmix zu schärfen. Gleichzeitig hat der Prozess neue Ideen für weitere Massnahmen geliefert.
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Adrian Keller, Leiter Marketing & Kommunikation, Surselva Tourismus

Welche Empfehlungen habt ihr für andere Destinationen, die sich als Best Tourism Village bewerben möchten?

Es lohnt sich nur, wenn das Dorf oder die Region die Auszeichnung auch wirklich will. Man wird Teil eines nationalen und internationalen Netzwerks, das ebenfalls gepflegt werden will. Wichtig ist, in der Kandidatur frühzeitig alle Ressourcen intern zu koordinieren, Geduld mitzubringen und, wie einleitend bereits erwähnt, genügend Ressourcen einzuplanen.

Eure Kandidatur war schliesslich erfolgreich und die Welttourismusorganisation UN Tourism zeichnete euch im vergangenen Jahr als Best Tourism Village 2025 aus. Spürt ihr bereits Auswirkungen der Auszeichnung auf eure Destination – z. B. in Bezug auf Sichtbarkeit, lokale Identität oder touristische Nachfrage?

Ja, die Sichtbarkeit von Valendas ist gestiegen. Im Zuge der Kommunikation der Auszeichnung hatten wir eine überwältigende Medienpräsenz. Darüber hinaus wird das Thema, soweit wir das nach einem Jahr beurteilen können, immer wieder aufgegriffen. Valendas, das Safiental und die Surselva sind dadurch nicht nur für Gäste attraktiver geworden, die nachhaltige und authentische Erlebnisse suchen. Gleichzeitig hat es die lokale Identität gestärkt, weil die Bewohnenden sehen, dass ihr Engagement wertgeschätzt wird. Man ist stolz auf die Entwicklung, die man gemeinsam gemacht hat und darauf, dass dieses Engagement nun durch die Auszeichnung gewürdigt wurde.

Foto vom Bündner Bergdorf Valendas und Umgebung

Habt ihr Feedback aus der lokalen Bevölkerung zur Auszeichnung erhalten?

Ein sehr positives. Die Leute im Dorf hatten anfänglich Fragen zur Kandidatur, als die Auszeichnung bestätigt wurde. Danach und bis heute überwiegt der Stolz, dass ihr Engagement, ihre Gemeinschaft, ihr Dorf international anerkannt wurde. Es hat auch Diskussionen darüber ausgelöst, wie wichtig nachhaltiger Tourismus für die Region ist und wie wir dies gemeinsam weiterentwickeln können, ohne das Dorf in Bezug auf eine allfällige grössere Nachfrage zu überfordern. Dies hat wiederum auch die Strategie und nachhaltige Ausrichtung der Surselva und des Safientals bestätigt.

Bild © Dani Ammann

Ihr seid nun auch Teil eines Netzwerks mit den aktuell 10 Best Tourism Villages in der Schweiz. Was macht das Netzwerk für euch besonders wertvoll?

Für uns ist das Netzwerk wertvoll, weil wir Erfahrungen austauschen und voneinander lernen können. Jede Destination bringt eigene Stärken und Projekte mit, und es zeigt uns, dass die Surselva, das Safiental mit Valendas nun Teil eines grösseren Ganzen sind. Es eröffnet neue Kontakte, Kooperationsmöglichkeiten und Inspiration für zukünftige Projekte.

Inwiefern hat euch der gesamte Prozess rund um Best Tourism Villages geholfen, eure nachhaltige Tourismusstrategie weiterzuentwickeln oder neue Massnahmen anzustossen?

Der Prozess und die Auszeichnung haben uns bestätigt, dass wir mit unserem Ansatz in der Surselva auf dem richtigen Weg sind und das Safiental nachhaltigen Tourismus bereits erfolgreich umsetzt. Es verdeutlicht, dass nachhaltiger Tourismus nicht nur möglich, sondern auch sichtbar und national sowie international gewürdigt wird. Wir mussten gezwungenermassen über unsere Strategie, unsere Massnahmen und unsere Geschichte reflektieren. Alles, was wir für das Dossier gesammelt und aufbereitet haben, hat uns geholfen, Schwächen und Chancen zu identifizieren und unseren Massnahmenmix zu schärfen. Gleichzeitig hat der Prozess neue Ideen für weitere Massnahmen geliefert.

  • © Surselva Tourismus / Stefanie Blochwitz Fotografie

    Valendas, GR

    Best Tourism Village 2025

    Valendas liegt am Rande der Rheinschlucht im Kanton Graubünden. Das historische Bergdorf in der Surselva ist für sein kulturelles Erbe und seine landschaftliche Schönheit bekannt. Valendas wurde erstmals 765 erwähnt und blühte dank Landwirtschaft und Handel auf. Durch die Initiative «Valendas Impuls» – ein privat und gemeinschaftlich getragenes Projekt – ist das Dorf zu einem Vorbild für nachhaltige ländliche Entwicklung geworden. Die Initiative hat wichtige historische Gebäude revitalisiert, innovativen Tourismus gefördert und die lokale Identität und den sozialen Zusammenhalt gestärkt. Valendas bietet eine einzigartige Mischung aus authentischem Dorfleben, reichem architektonischem Erbe und unberührter Natur – und lädt seine Gäste dazu ein, sich intensiv mit Kultur und Landschaft auseinanderzusetzen.

    Valendas gehört zur Surselva, die bei Swisstainable Destination auf Level I – committed eingestuft ist.

Nachhaltigkeit

Jetzt bewerben: «Best Tourism Villages 2026»

UN Tourism lanciert erneut die weltweite Ausschreibung für die «Best Tourism Villages». Bereits zum sechsten Mal in Folge zeichnet die Welttourismusorganisation Orte aus, die eine nachhaltige touristische Entwicklung vorleben und lokale Kulturen, Traditionen sowie die Gemeinschaft aktiv bewahren und fördern. Schweizer Destinationen können ihre Bewerbungsunterlagen bis am 10. Mai 2026 einreichen.

Details zur Ausschreibung
Schloss Gruyère vor einem Bergpanorama

Individuelle Beratung

Haben Sie Fragen zu den Bewerbungskriterien, zum Bewerbungsprozess oder zu den Unterlagen? Das Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit (KONA) des Schweizer Tourismus-Verbands steht Ihnen gerne für einen persönlichen Austausch zur Verfügung.

Ihre Ansprechperson

Livia Schönenberger

Projektmanagerin Nachhaltigkeit

+41 31 307 47 44 livia.schoenenberger@stv-fst.ch