Kreislaufwirtschaft im Tourismus: Potenziale erkennen, Massnahmen umsetzen
Kreislaufwirtschaft bietet Tourismusbetrieben und Destinationen vielfältige Möglichkeiten, Ressourcen effizienter einzusetzen, die Lebensdauer von Produkten und Materialien zu verlängern und Kosten zu reduzieren. Wie sich entsprechende Ansätze im touristischen Alltag umsetzen lassen, zeigte das Swisstainable-Webinar vom 2. November 2026 anhand konkreter Handlungsempfehlungen und Praxisbeispiele.

Kreislaufwirtschaft als Chance für den Tourismus
Wie können touristische Betriebe Ressourcen schonen und gleichzeitig wirtschaftliche Potenziale nutzen? Dieser Frage widmete sich das Swisstainable-Webinar «Kreislaufwirtschaft im Tourismus: Potenziale erkennen, Massnahmen umsetzen» vom 2. November 2026.
Malenka Schmutz, Projektleiterin bei Rytec Circular, stellte die Grundlagen der Kreislaufwirtschaft sowie konkrete Handlungsfelder für den Tourismus vor. Michèle Martine Berchtold-Enz, Projektleiterin Nachhaltigkeit an der Hotelfachschule Thun und im THE LAB HOTEL, zeigte anschliessend, wie sich zirkuläre Ansätze in einem Hotelbetrieb praktisch umsetzen lassen.
Kreislaufwirtschaft beginnt beim Vermeiden
Kreislaufwirtschaft geht weit über Recycling hinaus. Im Zentrum steht die Frage, wie der Verbrauch von Ressourcen möglichst vermieden und die Nutzungsdauer bestehender Produkte verlängert werden kann. Die sogenannten 10R-Strategien zeigen unterschiedliche Möglichkeiten auf: Vermeiden, Reduzieren, Wiederverwenden, Reparieren, Recycling.
Für den Tourismus identifizierte Rytec Circular drei zentrale Handlungsfelder:
Suffizienz und Effizienz: Ressourcenverbrauch vermeiden und bestehende Angebote effizienter gestalten, beispielsweise durch bedarfsgerechte Zimmerreinigung oder kleinere Portionen am Buffet.
Beschaffung und Bewirtschaftung: Bestehende Produkte möglichst lange nutzen, reparieren oder wiederverwenden sowie bei Neuanschaffungen auf langlebige und kreislauffähige Lösungen achten.
Bau und Umbau: Materialien und Einrichtungen bereits bei der Planung so auswählen, dass sie flexibel genutzt, zurückgebaut und wiederverwendet werden können.
THE LAB HOTEL: Kreislaufwirtschaft in der Praxis
Wie zirkuläre Ansätze in einem Hotelbetrieb konkret aussehen können, zeigte das THE LAB HOTEL in Thun. Das als Swisstainable Level II – engaged eingestufte Hotel ist Teil der Hotelfachschule Thun und dient gleichzeitig als Experimentierfeld für innovative Ansätze in der Hotellerie.
Im Upcycling Room werden bestehende Materialien und Einrichtungsgegenstände weiterverwendet und neu interpretiert. Der Modular Room setzt auf flexible Einrichtungselemente, die unterschiedliche Nutzungen ermöglichen.
Auch bei den Veranstaltungsräumen verfolgt das Hotel einen modularen Ansatz: Räume und Ausstattung lassen sich an verschiedene Bedürfnisse anpassen. Dadurch können vorhandene Flächen und Materialien vielseitig eingesetzt werden, ohne für jede Nutzung eine vollständig neue Einrichtung zu benötigen.
Das Beispiel verdeutlicht, wie Kreislaufwirtschaft mit Innovation, Flexibilität und betrieblicher Weiterentwicklung verbunden werden kann.
Das THE LAB HOTEL ist bei Swisstainable auf Level II – engaged eingestuft und erfüllt damit die Grundanforderungen dieses Levels. Der Betrieb setzt das Commitment zu einer nachhaltigen Entwicklung um, hat den Nachhaltigkeitscheck sowie einen Massnahmenplan mit mindestens drei geplanten Massnahmen erarbeitet. Der Betrieb verfügt zudem über die in Kombination anerkannten Nachweise OK:GO und Wasser für Wasser Green Hotel. Level II – engaged bei Swisstainable ist keine externe Nachhaltigkeitszertifizierung.
Bezug zu Swisstainable
Kreislaufwirtschaft bietet vielfältige Anknüpfungspunkte an das Nachhaltigkeitsprogramm Swisstainable. Insbesondere die Themen Abfall, Ressourceneffizienz, Innovation und Wirtschaftlichkeit stehen in engem Zusammenhang mit zirkulären Ansätzen.
Im Rahmen von Swisstainable definieren teilnehmende Betriebe unter anderem drei konkrete Massnahmen, die sie innerhalb von drei Jahren umsetzen. Massnahmen zur Kreislaufwirtschaft können dabei einen wertvollen Beitrag zur betrieblichen Nachhaltigkeitsentwicklung leisten.
Denkbar sind beispielsweise die Reduktion von Einwegprodukten, die Einführung von Reparatur- und Wiederverwendungsprozessen, die Überprüfung von Beschaffungskriterien oder eine effizientere Nutzung bestehender Einrichtungen.
Für Swisstainable Destinationen ergeben sich darüber hinaus Möglichkeiten, die Zusammenarbeit zwischen touristischen Akteur zu stärken und gemeinsame Projekte zur Ressourcenschonung zu initiieren.
Key Takeaways
Vermeiden kommt vor Verwerten. Der grösste Hebel liegt häufig darin, den Bedarf an neuen Produkten und Materialien zu reduzieren. Erst danach folgen Wiederverwendung, Reparatur und Recycling.
Bestehende Ressourcen sind der Ausgangspunkt. Eine Bestandesaufnahme von Mobiliar, Geräten, Textilien und weiteren Materialien macht sichtbar, welche Produkte länger genutzt, repariert oder anderweitig eingesetzt werden können.
Die Beschaffung entscheidet über die Zukunft. Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Wiederverwendbarkeit und alternative Nutzungsmodelle sollten bereits vor einer Anschaffung berücksichtigt werden.
Frühzeitige Planung schafft Handlungsspielraum. Insbesondere bei Bau- und Umbauprojekten ist es entscheidend, zirkuläre Lösungen von Beginn an mitzudenken. Flexible und modulare Konzepte erleichtern spätere Anpassungen.
Kreislaufwirtschaft lässt sich schrittweise umsetzen. Nicht jeder Betrieb muss mit einem umfassenden Projekt starten. Einzelne Massnahmen im Einkauf, bei der Bewirtschaftung oder im Gästebereich können einen geeigneten Einstieg bieten.
Ökologische und wirtschaftliche Vorteile können sich ergänzen. Eine längere Nutzungsdauer, vermiedene Neuanschaffungen und eine effizientere Ressourcennutzung können sowohl den Ressourcenverbrauch als auch betriebliche Kosten reduzieren.
Präsentation und Aufzeichnung
Die Präsentation sowie die Aufzeichnung des Webinars «Kreislaufwirtschaft im Tourismus: Potenziale erkennen, Massnahmen umsetzen» sind auf Anfrage bei der Swisstainable-Geschäftsstelle unter swisstainable@stv-fst.ch verfügbar.
Unsere Webinare richten sich exklusiv an Swisstainable-Betriebe und Swisstainable Destinationen im Anmeldeprozess oder mit Einstufung sowie anerkannte Nachhaltigkeitsnachweise.
Kontakt
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