Tourismuspolitik
Seilbahnen halten Bergregionen in Bewegung: Wo Tourismus auf Service public trifft
Seilbahnen bringen Menschen nicht nur auf Gipfel, sondern halten Bergregionen in Bewegung. Sie schaffen touristische Erlebnisse, sichern die Erreichbarkeit von Orten und übernehmen vielerorts eine zentrale Funktion im Verkehrssystem. Für Gäste sind sie Teil des Ferienerlebnisses, für Einheimische oft Alltag und Versorgungslinie. Genau diese Verbindung macht sie zum Rückgrat vieler Tourismusregionen – und zu einer Infrastruktur, die weit über den Tourismus hinaus Bedeutung hat.

Für zahlreiche Schweizer Tourismusregionen sind Bergbahnen zentrale Leistungsträger: Sie schaffen Zugänge zu touristischen Angeboten, generieren Wertschöpfung und sichern Arbeitsplätze in den Regionen. Doch Seilbahnen sind mehr als touristische Infrastruktur. Wo Strassen fehlen oder Orte bewusst autofrei sind, übernehmen sie eine wichtige Erschliessungsfunktion. Sie bringen Menschen zur Arbeit oder zur Schule, ermöglichen Einkäufe und Arztbesuche und transportieren Güter. Für viele Einheimische sind Seilbahnen deshalb kein touristisches Zusatzangebot, sondern Teil ihrer täglichen Grundversorgung. Seilbahnen sind das Bindeglied zwischen Tourismus-, Verkehrs- und Regionalpolitik.
Praxisbeispiel: ÖV-Drehscheibe Fiesch
Wie eng diese Funktionen zusammenspielen können, zeigt der ÖV-Hub Fiesch. Seit Ende 2019 sind dort Matterhorn Gotthard Bahn, Postauto und die Gondelbahn auf die Fiescheralp an einem einzigen Verkehrsknoten miteinander verbunden. Reisende wechseln direkt vom Zug zu Postauto oder in die Gondel. Das macht die Anreise für Gäste komfortabler und verbindet Bahn, Bus und Seilbahn zu einer lückenlosen Mobilitätskette ohne Auto – mit direktem Mehrwert für eine nachhaltige Mobilität.
In der Aletsch Arena zeigt sich zudem die Versorgungsfunktion der Seilbahnen besonders deutlich: Riederalp und Bettmeralp sind autofrei und werden ausschliesslich durch Seilbahnen erschlossen und versorgt. Was für die Gäste ein Erlebnis mit nachhaltiger und komfortabler Mobilität bedeutet, ist für die lokale Bevölkerung Teil ihres Alltags – und Grundlage dafür, dass diese Orte funktionieren.
Tourismuspolitik als Querschnittsaufgabe
Diese Doppelrolle ist auch politisch relevant. Tourismuspolitik ist eine Querschnittsaufgabe: Entscheide in der Verkehrs-, Regional- oder Raumplanungspolitik wirken sich unmittelbar auf touristische Regionen aus. Entsprechend sollten Seilbahnen dort, wo sie eine Erschliessungsfunktion übernehmen, nicht isoliert als touristisches Freizeitangebot betrachtet werden. Entscheidend ist ihre Gesamtwirkung für einen Ort: für dessen Erreichbarkeit, wirtschaftliche Entwicklung und Lebensqualität.
Der Schweizer Tourismus-Verband (STV) setzt sich deshalb gemeinsam mit dem Verband der Schweizer Seilbahnbranche (SBS) dafür ein, dass die Berggebiete als wichtige Wirtschafts- und Lebensräume anerkannt werden und die Bedeutung der Seilbahninfrastruktur entsprechend berücksichtigt wird. Dazu gehören gute Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der Infrastruktur ebenso wie eine Verkehrsplanung, welche die verschiedenen Verkehrsträger sinnvoll miteinander verknüpft. Gerade Projekte wie Fiesch zeigen, welches Potenzial entsteht, wenn Bahn, Bus und Seilbahn als zusammenhängende Mobilitätskette gedacht werden.
Umso wichtiger ist das Signal der Vernehmlassung zu «Verkehr ’45»: Erstmals werden Seilbahnen mit Erschliessungsfunktion explizit in den Ausbauschritt aufgenommen. Das anerkennt ihre doppelte Rolle – als touristische Leistungsträger und als unverzichtbarer Teil des Verkehrssystems in Bergregionen.
Mehrwert für die Bevölkerung stärkt die Akzeptanz des Tourismus
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Tourismusakzeptanz. Für die Einstellung der Bevölkerung gegenüber dem Tourismus ist nicht allein entscheidend, wie viele Gäste eine Destination besuchen und wie viel Wertschöpfung damit generiert wird. Relevant ist ebenso, welcher Nutzen für die Menschen vor Ort entsteht. Eine Infrastruktur, die Gästen und Einheimischen gleichermassen dient, macht diesen Mehrwert unmittelbar sichtbar und verbindet die unterschiedlichen Anspruchsgruppen miteinander.
Seilbahnen stehen damit exemplarisch für eine zentrale tourismuspolitische Aufgabe: Eine gemeinsame Planung der touristischen Entwicklung unter Einbezug der Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung. Dafür muss die Politik den Nutzen touristischer Infrastruktur breiter bewerten als nur anhand touristischer Frequenzen. Denn kluge touristische Infrastruktur kann Wertschöpfung schaffen, nachhaltige Mobilität ermöglichen und zugleich die Lebensqualität im Berggebiet stärken. Wo dies gelingt, profitieren nicht nur die Gäste – sondern ganze Regionen.
Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit den Seilbahnen Schweiz im Rahmen einer Content-Serie für den Newsletter Tourismuspolitik zum Thema touristischer Verkehr entstanden.
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