DIE SOLIDARITÄTSABGABE AUF FLUGTICKETS IST DER FALSCHE WEG

Der Schweizer Tourismus-Verband (STV) ist befremdet über die Entscheide in verschiedenen EU-Ländern, eine Solidaritätsabgabe auf Flugtickets für die Finanzierung der Entwicklungshilfe einzuführen. Die als innovatives Konzept angepriesene Idee richtet sich willkürlich gegen eine einzelne Branche. Der STV erwartet, dass sich die Eidgenossenschaft gegen ein solches wirtschaftsfeindliches Vorhaben ausspricht. 

Gemäss einer Mitteilung aus der EU-Administration wollen einige Mitgliedländer die Idee der Solidaritätsabgabe auf Flugtickets aufnehmen. Am 1. Juli 2006 wird Frankreich voran gehen und Abgaben von 1 bis 40 Euros je nach Reisedistanz und Ticketart erheben.

Die Schweiz kann dieses Vorgehen unmöglich mittragen. Entwicklungshilfe ist eine öffentliche Aufgabe, die aus dem allgemeinen Bundeshaushalt finanziert werden muss. Es kann nicht sein, dass allein die Luftverkehrsindustrie und die Flugpassagiere einen Beitrag zur Finanzierung der Entwicklungshilfe leisten müssen. Die Branche kann diese Abgabe weder abfedern, noch auf die Kunden überwälzen. Die Frequenzen im Tourismus würden sofort auf Zusatzkosten reagieren, vor allem in einem Land mit traditionell hohem Preisniveau. Dadurch stehen nicht nur die Interessen der Fluggesellschaften, sondern auch diejenigen des Ferien-, Reise- und Kongresslandes Schweiz auf dem Spiel. Dabei ist mitzuberücksichtigen, dass wir die internationalste Destination im Alpenraum sind und schätzungsweise 35 Prozent der Gäste, die in die Schweiz einreisen, mit dem Flugzeug kommen.

Es wäre zudem widersprüchlich, den Luftverkehr und damit den Tourismus zu benachteiligen mit dem Ziel, den Entwicklungsländern zu helfen. Der Luftverkehr ist für diese Länder eine Schlüsselindustrie, der Tourismus meist die Haupteinnahmequelle. Massnahmen, die sich gegen den Tourismus richten, würden sich auf die Entwicklung dieser Länder negativ auswirken.