Kommentar: Unterstützung für den Corona-Marathon

Kommentar: Samuel Huber, wissenschaftlicher Mitarbeiter STV

Kurz vor dem Start der Wintersaison hat der Bundesrat abermals die Massnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie angepasst. Es ist ein weiteres Kapitel im «Spiel» zwischen Verschärfung und Lockerung der Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens. Es ist stets eine Gratwanderung und ein Abwägen zwischen Mehrwert und verursachtem Leid sowie Schaden durch die getroffenen Massnahmen.

Oberste Priorität bleibt, die Kurve der Neuinfektionen abzuflachen und längerfristig wieder zu senken, Risikogruppen zu schützen und somit dafür zu sorgen, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Wenn auf diese Weise ein zweiter Lockdown verhindert werden kann, dient dies auch dem Tourismussektor. Die getroffenen Massnahmen führen aber gerade bei touristischen Betrieben zu grossen Einnahmeeinbussen und bedrohen in der Gastrobranche gemäss Branchenverband 100'000 Stellen, während in der Hotellerie Ende September doppelt so viele Betriebe wie noch im Juni das Konkursrisiko als hoch einstuften. Die zweite Welle trifft die infolge des Lockdowns taumelnden Unternehmen äusserst hart – nicht wenige werden kapitulieren müssen, wenn die staatliche Hilfe zu spät kommt.

Besonders gravierend ist dies für den Tourismussektor, welcher ein nur ganzheitlich funktionierender Sektor ist. Fallen einzelne Glieder der Servicekette aus, kommt der gesamte Sektor ins Wanken. Es ist deshalb unbedingt angezeigt, die vor der Krise wettbewerbsfähigen Betriebe zu retten, um den Tourismus in der Schweiz als Ganzes zu retten. Es geht dabei ausdrücklich nicht nur um Strukturerhaltung, sondern darum, marktfähige Unternehmen vor einem unverschuldeten Konkurs zu bewahren und nicht tatenlos zuzusehen, wie der viertgrösste Exportsektor der Schweiz zersetzt wird.

Der Tourismussektor steht hinter den getroffenen Massnahmen des Bundesrates zur Eindämmung der Pandemie, sie dienen dem Gesamtwohl der Schweiz. Nun ist es am Bund und den Kantonen, den touristischen Betrieben zeitnah die Instrumente an die Hand zu geben, damit diese die zweite Welle überleben können und sich danach rasch erholen. Der Bundesrat hat den notleidenden Betrieben Hilfe im Rahmen der Härtefalllösung zugesichert. Die in Aussicht gestellten 400 Millionen werden aber bei weitem nicht ausreichen. Der STV fordert den Bundesrat anlässlich der Vernehmlassung auf, den Betrag anzupassen, damit Konkurse im grossen Stil abgewendet werden können. Ausserdem fordern wir, dass die Hilfe rasch und prioritär als à-fonds-perdu Beiträge gewährt sowie die allgemeinen Rahmenbedingungen für den Sektor verbessert werden. Auch die Verwendung von Schnelltests für Touristen wäre eine nützliche Massnahme, um eine Quarantäne zu verhindern und das Reisen wieder attraktiver zu machen.

Der Tourismussektor ist bereit, den vom Bundesrat oft zitierten Marathon mitzugehen, er braucht aber auch die Unterstützung, damit ihm auf halber Strecke nicht die Kraft ausgeht.

>> Weitere Informationen zur aktuellen Corona-Lage