3 x 3 Fragen an die STV-Parlamentarier

Header de Quattro Paganini Stöckli

Corona hat das Reiseland Schweiz unerwartet und tief getroffen. Welche Auswirkungen hat die Krise auf die Branche? Und wie wirkt sie sich auf den Polit-Alltag aus? STV-Präsident und Nationalrat Nicolo Paganini sowie die beiden Vorstände, Nationalrätin Jacqueline de Quattro und Ständeratspräsident Hans Stöckli, geben Auskunft.

------------------------------------------

Jacqueline de Quattro, Nationalrätin FDP und Mitglied des STV-Vorstands

Wie hat sich Ihr Polit-Alltag seit dem Ausbruch der Corona-Epidemie verändert?
Ich bearbeite meine Dossiers von Zuhause aus und nehme an Videokonferenzen teil. Der Rhythmus ist genau so intensiv wie vor der Krise.

Welche Massnahmen streben Sie auf politischer Ebene an, um den Tourismus aus der Krise zu führen?
Es müssen neue Hilfsmassnahmen geprüft werden – wie etwa die Ausweitung der zinslosen Kredite, der Verzicht auf Rückzahlung in Härtefällen, die Senkung der Mehrwertsteuer, oder der Start von Impulsprogrammen.

Sehen Sie in dieser Krise auch Chancen für den Tourismus?
Das Coronavirus bietet dem Tourismus die Chance, sich neu zu erfinden, um zu einem besseren Wachstum zurückzufinden. Wir brauchen einen verantwortungsbewussten, nachhaltigen und innovativen Tourismus und müssen ein Gleichgewicht zwischen dem Erhalt der touristischen Ökosysteme und der wirtschaftlichen Realität finden. Dabei geht es beispielsweise darum, die Schweizerinnen und Schweizer davon zu überzeugen, dass sie ihre Ferien öfter in unserem Land verbringen, indem sie auf den einheimischen Tourismus und lokale Akteure setzen.

------------------------------------------

Nicolo Paganini, Nationalrat CVP und STV-Präsident

Die Tourismusverbände arbeiten in der Coronakrise unter dem Dach des STV eng zusammen – ein Vorteil?
Ich glaube, das ist nicht nur ein Vorteil, sondern gegenüber Bundesrat und Parlament ein absolutes Muss! Die Interessen der Verbände sind nicht immer genau deckungsgleich. Aber es ist uns gelungen, koordiniert und ohne grosse Widersprüche aufzutreten. Das wurde überall positiv wahrgenommen.

Die Anliegen des Tourismus haben in der jetzigen Krise politisches Gehör gefunden. Was kann die Branche tun, damit dies auch in Zukunft so bleibt?
Ich würde nicht sagen, dass der Tourismus vor der Krise nicht gehört wurde. Aber jetzt werden die volkswirtschaftliche Bedeutung und die riesige Zahl an Arbeitsplätzen in der Tourismuswirtschaft plötzlich breiten Kreisen so richtig bewusst. Wenn wir dieses Momentum nutzen und auch künftig übergeordnete Themen gemeinsam bearbeiten und nach aussen vertreten, können wir viel erreichen.

Die langfristigen Prognosen für die Tourismusbranche versprechen nichts Gutes. Wie schätzen Sie die Lage ein?
Wir sind mitten in der Krise und da fällt es schon schwer, die Situation schön zu reden. Touristiker sind grundsätzlich flexibel und ideenreich. Deshalb wird die Branche die Krise irgendwie meistern. Das wird aber kaum für jeden einzelnen Betrieb gelten. Die «alte» Welt bekommen wir nicht so schnell zurück. Aber Menschen auf der ganzen Welt werden nach dem derzeitigen Gefühl des «Eingesperrtseins» wieder reisen wollen, sobald das Gefühl der Sicherheit zurück ist. Das bietet der Schweiz als saubere und sichere Destination grosse Chancen.

------------------------------------------

Hans Stöckli, Ständeratspräsident (SP) und Mitglied des STV-Vorstands

Was wurde in der aktuellen Krise auf politischer Ebene für den Tourismus bereits erreicht?
Die Tourismusverbände haben unter anderem bei der schnellen Liquiditätshilfe für KMU mitgewirkt. Mit einem gemeinsamen offenen Brief haben sie sich ausserdem Gehör verschafft und ein persönliches Treffen mit drei Bundesräten erwirkt. Erste Forderungen wurden umgesetzt. Der Weg ist aber noch weit. Um Konkurse im grossen Stil abzuwenden, braucht es weitere Unterstützungsmassnahmen. Zudem muss die touristische Nachfrage langfristig mit einem Konjunktur- und Impulsprogramm für das In- und Ausland angekurbelt werden. Um das zu erreichen, ist das Parlament gefordert. 

Welchen grundlegenden Gedanken muss sich die Politik im Hinblick auf weitere Pandemie-Wellen machen?
Die Notrechtsgesetzgebung und das Epidemiengesetz wurden durch Corona aufs härteste geprüft. Und sicher sind Lehren zu ziehen. Wir werden vom Bundesrat einen substanziellen Rechenschaftsbericht über diese Notrechtszeit verlangen, müssen eine Regelung finden, welche die parlamentarische Kontrolle beim Entscheid des Bundesrates über die Annahme einer ausserordentlichen Lage ermöglicht. Auch der Digitalisierung der Parlamentsarbeit muss Rechnung getragen werden.

Unsere Branche wird sich – wie viele andere – durch die Krise verändern. Wie stellen Sie sich etwa die Tourismussaison im Jahr 2025 vor?
Meine Partei, die SP Schweiz, setzt sich für eine wirkungsvolle Tourismusförderung ein, insbesondere zur Verlängerung der Saison in Richtung eines Ganzjahrestourismus. Das wird in der Post-Corona-Zeit nun noch wichtiger werden. Der Tourismus darf nicht nur in der Hochsaison funktionieren – die Anbieter müssen auch dazwischen attraktive Angebote schaffen. Auch wird es künftig immer wichtiger werden, sich mit nachhaltigem Tourismus zu beschäftigen.